Fortschritt im Kampf gegen Krebs

Neue Möglichkeiten bei der Behandlung von Krebserkrankungen: Welches Potenzial in der Immunonkologie steckt, darüber diskutierte der Regensburger Mediziner Professor Dr. Mark Berneburg (von rechts) mit MdB Albert Rupprecht, Hautarzt Dr. Josef Mörtl und Selbsthilfegruppenleiterin Waltraud Rottenberg. Bild: fku

Von Heilung will bewusst niemand sprechen. Wohl aber von einem Durchbruch bei der Krebsbehandlung. Welche Möglichkeiten die Immunonkologie aus Sicht der Dermatologen gebracht hat, erläutert ein Mediziner bei der CSU. Trotzdem bleiben Probleme - insbesondere in der Region.

Die Idee ist nicht neu. Seit vielen Jahrzehnten suchen Mediziner nach Wegen, das Immunsystem von Betroffenen dabei zu unterstützen, den Krebs zu bekämpfen. Allein, meist ohne Wirkung. Bis vor wenigen Jahren zumindest, als die Immunonkologie Fortschritte brachte, die man durchaus "einen Durchbruch" nennen dürfe, wie Professor Dr. Mark Berneburg sagt.

Der Direktor der Klinik und Poliklinik für Dermatologie am Universitätsklinikum Regensburg spricht im Vereinsheim "Almrausch" über die Immunonkologie aus Sicht eines Hautarztes. Allerdings verbinden sich damit auch Hoffnungen, die über sein Fachgebiet hinaus reichen. Denn nicht nur bei der Behandlung von Hautkrebs, sondern auch bei anderen Tumorerkrankungen ließen sich inzwischen Erfolge erzielen. Entsprechend drängen die Pharmafirmen auf den Markt, entsprechend intensiv läuft die Forschung.

Appell: Zur Vorsorge

Vor diesem Hintergrund hat Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht (CSU) in seiner Funktion als forschungspolitischer Sprecher den Mediziner nach Weiden geladen. Wobei Berneburg überzogenen Hoffnungen gleich zu Beginn entgegentritt: Den Begriff Heilung vermeidet er ausdrücklich. Die sei möglich, wenn ein schwarzer Hautkrebs früh entdeckt und operativ entfernt werde. Weshalb Berneburg appelliert, regelmäßig zur Vorsorge zu gehen. Wenn es aber bereits Metastasen gibt, solle man nicht unbedingt von Heilungsmöglichkeiten sprechen. Wohl aber von entscheidenden Verbesserungen.

Tatsächlich habe die Medizin für solche Patienten bis 2010 kein Medikament gekannt, das sich positiv auf das Gesamtüberleben auswirkte. "Wir hatten nichts in der Hand." Das änderte sich. Zum einen durch Individualtherapie. Also durch Medikamente, die auf das Leiden des jeweiligen Patienten zugeschnitten sind und bei bestimmten Krebsarten die Überlebensdauer anhoben. Zum anderen durch die Immuntherapie.

Der entscheidende Schritt hier sei gelungen durch das bessere Verständnis, wie Tumorzellen sich gegen Angriffe des Immunsystems wehren. Und zwar ähnlich, wie sich der Körper gegen das eigene Abwehrsystem schützt - ansonsten wären Autoimmunerkrankungen die Folge. Auf diese Weise bremsen auch Krebszellen sozusagen das körpereigene Abwehrsystem aus. Und genau hier setzen die neuen Stoffe an: "Die Immunonkologie hebt diese Bremse wieder auf", so Berneburg.

Seitdem die Mechanismen dahinter deutlicher wurden, kam Bewegung in die Forschung. "Jetzt werden fast jeden Monat neue Substanzen zugelassen." Anfangs verbesserte sich dadurch die Gesamtüberlebensrate bei Hautkrebs nur um kurze Zeit. "Jetzt gibt es erstmals einen größeren Anteil von Betroffenen, die länger als ein Jahr leben." Auch die Nebenwirkungen seien beherrschbar. Zwar komme es zu Entzündungen etwa im Darm oder der Lunge. Zumindest die Hautärzte könnten solch unerwünschte Folgen aber einigermaßen in Schach halten..

Bei mehreren Krebsarten

Angewandt wurde die Immunonkologie zunächst in der Dermatologie. Weil die Mechanismen sich aber bei anderen Krebsarten ähneln, komme sie inzwischen beispielsweise auch bei manchen Lungentumoren oder Formen von Blutkrebs zum Einsatz.

Neben Operation, Bestrahlung und Chemotherapie etabliert sie sich damit zusehends in der Behandlung. Eine Entwicklung, die auch den anderen Teilnehmern des Informationsabends Hoffnung macht. Alle Probleme sind damit aber nicht gelöst. Nicht nur, weil es Medizinern noch immer schwer fällt von Heilung zu sprechen. Sondern auch, weil es in andern Bereichen hapert.

Zuhörer beklagen etwa, dass Weiden im psychoonkologischen Bereich unterversorgt sei. Es brauche mehr Beratungsmöglichkeiten vor Ort. Daneben kritisiert Waltraud Rottenberg, die Leiterin der "Selbsthilfegruppe nach Krebs Weiden 2", die Rupprecht für die Diskussion geladen hatte, einen Mangel an Hautärzten in der Region. Es dauere sehr lange, bis ein Kassenpatient einen Termin bekomme.

Dem widerspricht auch Dr. Josef Mörtl nicht. Er gehört zu den wenigen Dermatologen in der Stadt. "Ich denke, dass durch den Facharztmangel in unserer Gegend die Qualität der Vorsorge abnimmt." Es fehle den wenigen Medizinern einfach an Zeit. Rupprecht räumt ein, dass dies auch an der Politik liege, aber nicht nur. Es sei ebenso ein Problem der kassenärztlichen Vereinigungen. Wenn jemand in dringenden Fällen keinen Facharzttermin bekomme, könne sich jeder aber an sein Büro wenden.
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