Frauen in Weidens Stadtgeschichte
Häufig verkannt

Auch einige Herren aus der CSU lauschten dem Vortrag, den Stadtarchivarin Petra Vorsatz (vorne, rechts) bei der Frauen-Union hielt. Bild: Kunz
Frauen seien oft nur als Randfiguren der Geschichte oder von Ereignissen gesehen worden. Deshalb sei es nicht leicht, deren Lebensumstände zu erforschen, berichtete Stadtarchivarin Petra Vorsatz bei der Frauen-Union. Nur die Altersversorgung durch das Witwenrecht bei Handwerkern habe der "Frau Meisterin" eine soziale Besserstellung beschert.

Auch eine Herzogstochter

Petra Vorsatz sprach über Frauen in Weiden. Dabei skizzierte sie nicht nur echte Weidenerinnen, sondern auch namhafte Damen, die Weiden im Laufe der Jahrhunderte bereist hätten. Das Referat begann mit der schlesischen Herzogstochter Katharian Sophie von Liegnitz, Brieg und Goldberg, die 1587 den 30-jährigen Pfalzgrafen Friedrich von Parkstein heiratete, der im Vesten Haus residierte. Querelen mit anderen Inhabern der Gemeinschaftsherrschaft Parkstein-Weiden hätten dazu geführt, dass Friedrich in Vohenstrauß eine eigene Residenz erbaute, die nach ihm bekannte Friedrichsburg. Elisabeth Stuart, Tochter von König James I. von England und Enkelin Maria Stuarts, weilte 1619 in Weiden. Sie befand sich auf der Reise von Heidelberg zur Krönung in Prag. Quartier nahm sie im Stahl'schen Gasthof am Oberen Markt 5.

Auch die Bürgerin Agnes Weiß wurde, stellvertretend für viele Frauen dieser Jahre, vorgestellt. Sie lebte hier während der Wirren des 30-jährigen Krieges und kehrte der ausgeplünderten Stadt in Richtung Nürnberg den Rücken. Caroline Friederike Wilhelmine von Baden, Gattin des ersten Bayerischen Königs Maximilian, floh sechs Jahre von ihrer Krönung 1800 vor Napoleon nach Weiden. Eine ihrer Töchter: Ludovika, die später Herzog Max in Bayern heiraten sollte und die Mutter von Kaiserin Sissy war.

Eine weitere Frau war Karoline Gerhardinger, Gründerin der Kongregation der Armen Schulschwestern, die als Maria Theresia von Jesu 1985 seliggesprochen wurde. Antonie Vierling war Künstlerin und wurde 1919 zur ersten Weidener Stadträtin gewählt.

Dr. Helene Hoffmann sei Pädagogin und Heimatforscherin gewesen. Zudem von 1913 bis 1916 Lehrerin an der Clausnitzerschule in der Sedanstraße. 1947 wurde sie hier Rektorin. Bis zuletzt habe sich Dr. Helene Hoffmann als aktivstes Mitglied des "Heimatkundlichen Arbeitskreises" vor allem dem Kampf um die Erhaltung alter Weidener Baudenkmäler wie dem Alten Schulhaus gewidmet.

Magdalena Landgraf erbte von ihrem Mann eine gutgehende Brauerei, eine Brauschenke am Unteren Markt und den berühmten Landgrafkellers, eine Bierwirtschaft am Langen Steg. Schließlich widmete sich Petra Vorsatz noch der praktischen Ärztin Dr. Blandiana Dirrigl. 53 Jahre lang wirkte diese, davon 49 Jahre lang in der Siechenstraße 6, als Ärztin und half unzähligen Menschen in ihrer Not, besonders in der Nachkriegszeit. Sie verschenkte Geld für Kohlen und bemühte sich um Kriegsheimkehrer.
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