Frauen sollen Tacheles reden

Kein Blatt vor den Mund nehmen will Sabine Zeidler (vorne, Mitte), wenn es um die Belange der Frauen geht. Einstimmig wählten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF) die Weidener Stadträtin und AsF-Stadtverbandschefin auch zur Vorsitzenden im Unterbezirk. Bild: R. Kreuzer

Chefin der SPD-Frauen in Weiden war sie schon. Jetzt spielt Sabine Zeidler noch eine Liga höher. Einstimmig wählten die Mitglieder die Max-Reger-Städterin zur Vorsitzenden im AsF- Unterbezirk. Als solche will sie auch unangenehme Wahrheiten aussprechen.

Die Stadtverbandsvorsitzende spielt beim AsF-Unterbezirk Weiden-Neustadt-Tirschenreuth künftig die erste Geige. Bei den Neuwahlen im Hotel Stadtkrug erhielt Sabine Zeidler das uneingeschränkte Vertrauen, nachdem sich die bisherige Vorsitzende Sybille Bayer ins zweite Glied zurückgezogen hatte. Bayer arbeitet jetzt als Beisitzerin mit. Im Rückblick nannte sie Veranstaltungen wie Podiumsdiskussionen, Musikabende sowie Floh- und Weihnachtsmärkte. Die Erlöse spendete die AsF karitativen Einrichtungen.

Landtagsabgeordnete Annette Karl dankte der scheidenden Vorsitzenden für die engagierte Arbeit. Ferner wies sie auf Lohnunterschiede von bis zu 25 Prozent zwischen Mann und Frau in Bayern hin. "Davon entfallen sieben Prozent auf direkte Lohndiskriminierung, der Rest verweist auf mangelnde Karriere, Ausfallzeiten und prekäre Arbeitsverhältnisse wie Minijobs." Was kann die Politik tun? "Quoten sind eine Möglichkeit, gute Familienpolitik die andere." Karl forderte einen Rechtsanspruch darauf, die Arbeitszeit auf 30 Wochenstunden in den ersten drei Lebensjahren des Kindes zu reduzieren. Die Öffnungszeiten der Kindertagesstätten seien den Bedürfnissen der Kinder und der Eltern anzupassen - auch in Ferienzeiten.

Missstände anprangern

AsF-Bezirksvorsitzende Christine Trenner stellte sich vor lobte die harmonische Zusammenarbeit. Sabine Zeidler sprach zunächst für den Stadtverband, zeigte sich erfreut über die guten Ergebnisse der letzten Wahl. Frauen seien auf der Liste gut platziert gewesen. Und weil die AsF-Frauen gebraucht werden, müssten sie über Missstände bei Rente, Ganztagsbetreuung und beruflicher Entwicklung anprangern. In ihrer Antrittsrede betonte sie später: "Wir müssen Tacheles miteinander reden. Wenn nicht wir mit- und darüber reden, wer dann?"

"Es stimmt", bestätigte OB Kurt Seggewiß: "Die SPD bringt die meisten Frauen in den Stadtrat. Warum? Weil wir darauf achten." Der Rathauschef rief zur Solidarität mit Asylbewerbern auf - und zitierte Papst Franziskus: "Wir dulden weiterhin, dass einige sich für würdiger halten als andere. Wir bemerken nicht mehr, dass einige sich in einem erniedrigenden Elend dahinschleppen, ohne wirkliche Möglichkeit, es zu überwinden."
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