Freiwillig an Lügendetektor

"Die Akten schließen sich allmählich." Vorsitzender Richter Walter Leupold stellte am Mittwoch ein schnelles Ende im Prozess gegen Wolfgang S. in Aussicht. Für nächsten Dienstag ist das Plädoyer von Staatsanwalt Hans-Jürgen Schnappauf vorgesehen, der nach eigener Einschätzung "drei bis sechs Stunden" brauchen wird.

(ca) Die Verteidiger Jörg Jendricke und Helmut Miek folgen am Mittwoch, 11. März. Die Urteilsverkündung ist noch nicht terminiert. Ohnehin sind zumindest die Rechtsanwälte - nach 41 Prozesstagen - noch lange nicht fertig. Sie stellten am Mittwoch vier Anträge, über die noch entschieden werden muss und kündigten gleich noch weitere für nächste Woche an.

Weiter Millionen gesammelt

So fordert Jendricke einen Lügendetektortest, dem sich Wolfgang S. freiwillig unterziehen werde. Der Anwalt aus Amberg zählte mehrere Verfahren bundesweit auf, in denen ein solches polygraphisches Gutachten verwertet wurde, zumeist in Sorgerechts- und Familiensachen. "Der Detektortest wird beweisen, dass er gutgläubig gewesen ist." Dabei werden während einer Befragung Blutdruck, Puls, Atmung und die elektrische Leitfähigkeit der Haut gemessen.

Außerdem wollen die Verteidiger drei Geschäftspartner von Wolfgang S. (einer davon aus dem Landkreis Sulzbach-Rosenberg) im Zeugenstand sehen. Diese drei seien "trotz der Kenntnis der Presseberichterstattung noch immer felsenfest vom Vermögen des Angeklagten überzeugt". Die Verteidiger fragen sich: "Warum? Haben sie zusätzliche Unterlagen? Konkrete, noch nicht bekannte Kenntnisse über erwartete Zahlungen?"

Die Anwälte möchten auch den Staatsanwalt befragen, der die Ermittlungen gegen einen Finanzberater aus Amberg führt. Dieser Mann wurde im November 2014 verhaftet - erst einige Wochen nachdem in der Verhandlung gegen Wolfgang S. bekannt geworden war, dass er weiter beträchtliche Summen eintreibe. Die Rede ist von mehreren Millionen Euro, die noch nach der Festnahme von Wolfgang S. im April 2013 "investiert" wurden. "Trotz der Kenntnis hat der Staatsanwalt nichts unternommen, das zu unterbinden." Leupold nahm die Kollegen in Schutz: "Es ist mir neu, dass die Staatsanwaltschaft präventiv tätig ist."
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