Freunde aus Fernost

Chinesischen Besuch hieß Schulleiter Josef Weilhammer (Siebter von rechts) willkommen. Mit dabei Vertreter der Regierung der Oberpfalz, die sich über den Austausch informierten. Bild: hfz

Die Europa-Berufsschule schaut auch schon mal weit über den europäischen Tellerrand hinaus. Acht Wochen lang sind die Oberpfälzer Gastgeber für sechs Lehrer, die aus dem rund 8700 Kilometer entfernten Shanghai angereist sind.

Grund des Aufenthalts, den die Hanns-Seidel-Stiftung vermittelt hat: Die chinesischen Kollegen wollen das duale Ausbildungssystem und handlungsorientierten Unterricht kennenlernen. Interesse zeigte auch eine Delegation der Oberpfälzer Bezirksregierung, die sich bei einer Stippvisite an der Berufsschule über das Projekt informierte.

Zwischen den chinesischen und den deutschen Berufsschulen liegen Welten - da sind sich die Gäste aus China nach nur wenigen Tagen einig. Nach dreimonatiger Vorbereitung in Shanghai waren sie zu einem weiteren Vierteljahr Anschauungsunterricht nach Europa aufgebrochen. Mithilfe ihres Dolmetschers Hong Xiaofeng versucht die Delegation derzeit, die Berufsausbildung im Gastland näher kennenzulernen. Eine besondere Faszination übt dabei das duale Ausbildungssystem aus, denn diese Verbindung aus Theorie und Praxis ist im chinesischen Schulwesen unbekannt.

Zwar unterscheiden sich die Fächer an den Berufsschulen beider Länder nicht wesentlich, denn hüben wie drüben stehen etwa Drucktechnik, Zerspanungstechnik oder CNC-Technik auf dem Stundenplan. Der Unterschied liegt allerdings in der Vermittlung. An chinesischen Schulen werden - wovon mancher deutsche Lehrer nur träumen mag - Disziplin und Respekt großgeschrieben. Allerdings ist dort auch Frontalunterricht die Regel.

An der Europa-Berufsschule geht man dagegen handlungsorientiert vor: Im Fokus steht der Lernende. "Mir gefällt, wie aktiv die Schüler hier sind", fasst Lehrerin Liu Yan ihre Eindrücke zusammen. Ihr Kollege Wu Haijiang freut sich über neue Ideen für seinen Unterricht. Seit Mitte Oktober lernt die chinesische Delegation handlungsorientierte Techniken kennen und probiert sie aus.

Natürlich gibt es außerhalb der Schule noch einiges zu erleben. Für die Gäste wurde ein buntes Programm an regionalen und überregionalen Betriebsbesichtigungen, Ausflügen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in der Umgebung und Begegnungen mit deutschen Kollegen zusammengestellt. Bei gemütlichen Abendessen lernen die Chinesen die bayerische Lebensart kennen und schätzen. Li Wenquan: "Ich hoffe, nicht nur ein Kollege zu sein, sondern ein Freund zu werden."
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2015 (9608)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.