Freundschaft mit der Ukraine

"Wir haben jetzt zahlreiche Freunde in der Ukraine." Darüber freuten sich die OTH-Studenten Michael Sysow (links), 27 Jahre, und der 23-jährige Daniel Frisch nach ihrem einwöchigen Ukraine-Aufenthalt. Bild: sbü

Eine andere Welt als zu Hause haben die zehn Studenten schon erlebt. Und eine Menge neuer Erfahrungen gewonnen. Das wollten sie auch. Denn im späteren Beruf soll mit interkultureller Kompetenz gepunktet werden.

(sbü) Das Austauschprojekt der OTH Weiden mit der Universität in Tschernowitz in der Ukraine wurde damit fortgesetzt. Es war schon mehr als der übliche Reisebericht, den die zwei Weidener OTH-Studenten Michael Sysoev und Daniel Frisch im Pressegespäch an der OTH in Weiden ihren Zuhörern boten. Aber sie hatten mit anderen Studenten aus ganz Bayern die Ukraine auch nicht als Touristen besucht.

Vielmehr waren sie im Rahmen des deutsch-ukrainischen Workshops und Austauschprogrammes wissenschaftlich gut vorbereitet worden. Unter der Leitung von Marian Mure hatte das Zentrum für Sprachen in Mittel- und Osteuropa an der OTH Amberg-Weiden mit Bayhost (Bayrisches Hochschulzentrum für Mittel-Ost- und Südosteuropa) den Gegenbesuch der deutschen Studenten organisiert. "Flug nach Lemberg und dann mit maximal 50 Stundenkilometern auf schlechten Straßen nach Tschernowitz fahren: Das war ermüdend", erzählen Sysoev und Frisch.

Der erste Teil des Workshops, bei dem politische Prozesse während eines Wahlkampfs simuliert wurden, hatte schon im September in Weiden stattgefunden (wir berichteten). Jetzt wurde nach den Parlamentswahlen in der Ukraine das im Rollenspiel entwickelte Konzept mit der Realität konfrontiert. Dass das politische System in der Ukraine sich noch stark von der Situation in Deutschland unterscheidet, war dabei weniger überraschend. Vor allem die Dominanz der Spitzenkandidaten im Parteiengefüge, das Netzwerk der "Mächtigen und Einflussreichen" und die für das Land existenziell wichtigen Inhalte der politischen Themen erlebten die Studenten. Unter anderem sprachen sie mit der UDAR, der "Klitschko-Partei", mit zwei "Maidan-Platz-Aktivisten" sowie mit Journalisten und Wahlbeobachtern. An einer Fernsehsendung des regionalen Senders nahmen die Studenten ebenfalls teil.

Auch vieles aus der Gesellschaft in der Ukraine wurde erlebt. "Dass die Kirchen eine so große Rolle spielen, hat uns schon sehr überrascht", berichten die beiden Weidener Teilnehmer. Bei den jungen Menschen herrsche "Angst, in die schlecht ausgerüstete Armee zu müssen". Die Bevölkerung "denkt sehr stark in militärischen Dimensionen". Bilder von Gefallenen, Spenden für die Soldaten und Graffiti gegen Putin gehörten zur Normalität. Gelobt wurden die hervorragende Gastfreundschaft, das Essen, die Landschaft und der "Eindruck eines Lebensstandards wie in Tschechien, trotz des Durchschnittseinkommens von 200 bis 300 Euro". Die Ukrainer beklagten auch, dass "jährlich 40 000 Studenten das Land verlassen und nicht mehr zurückkommen".

Vorteile von der erworbenen interkulturellen Kompetenz versprechen sich die beiden Weidener Studenten auch von ihrem Ukraine-Aufenthalt. Schließlich studieren sie auch das Fach interkulturelles Management, Michael Sysoev sogar im Masterstudium. Daniel Frisch war vor seinem Ukraine-Aufenthalt schon sechs Monate in Moskau.
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