Frischküche günstiger als Catering - Trägerwechsel für Stadt finanziell uninteressant - Heute ...
"Tohu" tischt Überraschung auf

Wer den ganzen Morgen in der Kinderkrippe spielt, braucht mittags auch ordentlich was in die Krippe: Im "Tohuwabohu" übernimmt das bisher eine eigene Frischküche, über deren Zukunft der Finanzausschuss heute entscheidet. Bild: Götz

Nur den Riesenwirbel, den die Sparvorschläge für das städtische Kinderhaus "Tohuwabohu" ausgelöst haben, den hätte man sich sparen können. Der Kommunale Prüfungsverband hatte die Frischküche auf den Prüfstand geschickt. Inzwischen hat sich die eigene Küche nach einem Catering-Probelauf im Vergleich als günstiger herausgestellt. Und auch die Idee der SPD-Fraktion, einen Wechsel an einen privaten Träger zur Kostenersparnis zu prüfen, hat sich als Bumerang erwiesen.

Die einzigen, die überhaupt Interesse zeigten, waren die Johanniter. Der Regionalverband der Unfallhilfe machte aber auch klar, nur die Betriebsträgerschaft übernehmen zu wollen. Nicht jedoch die ungewöhnliche (und ungewöhnlich teuer zu unterhaltende) Immobilie in der Mooslohe. Die Kosten am 25 Jahre alten Kinderhaus wären weiter an der Stadt hängen geblieben. Die Johanniter setzen außerdem die für Weiden übliche Defizitvereinbarung voraus.

Regionalvorstand Martin Steinkirchner dämpfte ohnehin allzu große Hoffnungen, Betriebskosten reduzieren zu können. Die Johanniter, die in Weiden die Krippen von Witt und Klinikum betreiben, hätten einen hohen Qualitätsstandard und würden immer die empfohlenen Anstellungsschlüssel einhalten. Im Sachstandsbericht des Jugendamts für den Finanzausschuss wird Steinkirchner sogar zitiert, dass für das "Tohu" zusätzlich pädagogisches Personal eingestellt werden müsste.

Tatsächlich hat das Kinderhaus zuletzt gekürzt, wo es nur ging. Nicht nur Vorschläge des BKPV wurden umgesetzt, sondern weitere Maßnahmen zur Reduzierung des Defizits. Und siehe da: "Für den laufenden Betrieb ist bei gleichbleibenden Bedingungen nicht mit einem Defizit zu rechnen." Konkret wurde eine Vollzeitkraft vier Monate gar nicht und dann durch eine Teilzeit-Ergänzung kompensiert. Eine andere Vollzeitkraft wurde ab März 2015 durch Stundenerhöhungen der Kolleginnen nur teilweise ausgeglichen. Die zweite Hauswirtschafterin, die das "Tohu" im März verlassen hat, ist bis heute nicht ersetzt. Das Angebot in der Küche wurde abgespeckt: Es werde "weniger aufwändig" gekocht, weniger Bio-, mehr "Convenience-Produkte" (Fertig-Produkte). Auch die Eltern spüren den Sparwillen: Die Zahl der Schließtage wird von 26 auf den gesetzlichen Höchstwert 30 erhöht. Die Elternbeiträge wurden angehoben, ebenso Essens- und Getränkegeld.

Wichtig ist den Eltern die Frischküche, wie Unterschriftenlisten des Elternbeirats zeigen. Das "Tohuwabohu" ist die einzige Kita Weidens, in der selbst gekocht wird. Täglich bringen eine Hauswirtschafterin und eine Küchenhilfe rund 90 Essen für 1- bis 10-Jährige auf den Tisch. Im April ließ das Kinderhaus für drei Wochen probeweise die Mahlzeiten anliefern.

Die Bilanz: "Die Frischküche ist günstiger als Catering." Sie werde fast komplett über die Gebühr der Eltern (3,50 Euro pro Mahlzeit) abgedeckt. Flankierend sei die Firma Samhammer mit 5000 Euro eingesprungen, um bis Oktober eine Küchenhilfe zu finanzieren. Norbert Samhammer, Vater von zwei Tohu-Kindern, habe in Aussicht gestellt, diese Summe jährlich zu spenden, falls die Frischküche erhalten bleibt.
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