Fünf Jahre Arbeit: Dr. Erich Vettori präsentiert Mosaik-Serie an der Friedhofsmauer - Alte ...
Am "Totentanz" lange herumgedoktert

Vom Unfall bis zum Suizid: Wie der Tod zuschlagen kann, das zeigt Dr. Erich Vettori auf seinen Mosaiktafeln im Friedhof Neunkirchen. Der "Totentanz" ist eigentliche eine mittelalterliche Tradition. Der Arzt hat sie in die Moderne übertragen. Bild: R. Kreuzer
Feingefühl und Engagement sind zwei Eigenschaften, die ein Arzt mitbringen sollte. Dr. Erich Vettori legt sich auch in seiner Freizeit an den Tag. Vor fünf Jahren schuf er an der Ostseite der Friedhofsmauer an der St.-Dionysius-Kirche den "Schöpfungsweg" auf sieben Mosaiken. Sein Beitrag zum 100. Kirchenjubiläum. Nun hat er seine Gedanken erneut kreativ umgesetzt. Mit dem "Totentanz von Neunkirchen".

"Im Mittelalter war es oftmals üblich, in Friedhofskirchen in vielen aufeinander folgenden Szenen darzustellen, auf welch mannigfache Art der Tod als Gerippe die Menschen holt", erklärt der Arzt. Die Totentanzkapelle in Wondreb sei ein Beispiel dafür. Um diese Tradition wiederaufleben zu lassen und ihr einen modernen Anstrich zu verleihen, hat Dr. Vettori Mosaiksteinchen in neun Tafeln gesetzt. Viel Geschickt erforderte das - und insgesamt fünf Jahre Arbeit. Jetzt platzierte Vettori die Tafeln an der neuen Wand zum Friedhof platziert.

Drei Mosaikschrifttafeln zeigen die Eigenschaften des Todes. "Immer jeden", heißt es: Als Spiegelung sieht sich der Betrachter selbst. Das Motto "Jeden anders" interpretiert Dr. Vettori in unterschiedlichen Grün- und Blautönen mit einem durchkreuzten Hintergrund. Graue Lebenslinien illustrieren "Jeden immer". Sie wechseln sich mit den sechs Tafeln ab, auf denen reale Szenen an Todesursachen erinnern, bei denen Vettori als Notarzt zugegen war. "Ich erinnere an alle Menschen, die durch einen Unfall unerwartet aus dem Leben gerissen werden, an alle Menschen, die den Tod als letzten Ausweg sehen, an alle Menschen, die vom Tod als Erlöser an die Hand genommen werden." Bei einem Verkehrsunfall wird ein Opfer gerettet, das andere vom Tod geholt. Ferner sind unter anderem ein Sturz von der Autobahnbrücke, ein Suizid und ein Zugunglück zu sehen. Auf der letzten Tafel erlöst der Tod einen Patienten.

Jetzt die Apokalypse

Jetzt, im "Totenmonat" November, sei auch die Zeit für Christen, über ihre Hoffnung angesichts des Sterbens und Vergehens zu sprechen, meint Dr. Erich Vettori. Christen glaubten ja an einen Gott, der sich seiner Menschen annimmt - auch und gerade im Sterben und im Tod. Mit den "Totentanz"-Tafeln will der Arzt zum Nachdenken anregen. Er selbst denkt schon wieder über ein neues Projekt nach: "Apokalypse - die geheime Offenbarung des Johannes".
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