Fünf Tschetschenen wird die Schleusung von über 160 Landsleuten vorgeworfen
Prozess gegen die "fünf Bärtigen"

Ab Mittwoch, 17. Dezember, stehen in Weiden fünf Tschetschenen vor Gericht. Den Männern zwischen 27 und 49 Jahren wird die bandenmäßige Schleusung von Landsleuten von Polen nach Deutschland vorgeworfen, informierte am Freitag Landgerichtssprecher Markus Fillinger. Die Männer sollen im Frühsommer 2013 mindestens 160 Tschetschenen - darunter fast 90 Kinder, von Polen nach Deutschland gebracht haben.

Die Männer, die sich durch ihre markanten Bärte den Namen "die fünf Bärtigen" eingehandelt haben, werden von mindestens 13 Verteidigern vertreten. Die Verteidigerriege wird doppelt besetzt, um bei einem Ausfall den Fortgang des Verfahrens zu sichern. Zudem haben sich zu den benannten Pflichtverteidigern inzwischen einige Wahlverteidiger gesellt. Staatsanwalt ist Christian Härtl, der 1. Großen Strafkammer sitzt Landgerichtspräsident Walter Leupold vor, weitere Richter sind Matthias Bauer und Dr. Marco Heß.

Aktuell sind 18 Verhandlungstage bis Mitte März 2015 terminiert. Geladen sind über 60 Zeugen, die vermutlich nicht alle erscheinen werden. Die Ladungen gehen nach Frankreich, Polen und Russland. Die überwiegende Zahl der Zeugen sind aber Bundespolizisten.

Einige der Fahrten führten über die A 6 bei Waidhaus. Jeder der "fünf Bärtigen" soll an den angeklagten 29 Schleusungen jeweils 8 bis 15 Mal beteiligt gewesen sein.

Die Angeklagten hatten ihren Wohnsitz in Berlin und Brandenburg. Die Fünf holten die Landsleute entweder selbst von Warschau ab. Oder sie engagierten polnische Taxifahrer. Bei den Geschleusten handelt sich fast ausschließlich um Familien, die bis zu sieben Kinder dabei hatten, darunter auch Kleinstkinder ab etwa einem Jahr. Manchmal wurden die Familienverbände auf mehrere Autos verteilt.

Die Fahrten führten teils direkt ins bayerische Erstaufnahmelager Zirndorf. Dort stellten die Geschleusten Erstanträge auf Asyl. Zwar müssten Flüchtlinge, die aus einem sicheren Drittland kommen, gemäß Dubliner Übereinkommen zurückgeschoben werden. Ein Problem hat der Staat mit der Abschiebung allerdings, wenn die Neuankömmlinge diesen Drittstaat nicht nennen und sie noch nirgends registriert wurden.
Weitere Beiträge zu den Themen: November 2014 (8194)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.