Für Angelos Lazogiannis war das Votum seiner Landsleute vorhersehbar - Er setzt auf eine ...
"Das ,Nein' richtet sich nicht gegen Europa"

Angelos Lazogiannis. Bild: Götz
Weiden. (ps) Das Ergebnis der Volksabstimmung in Griechenland hat Angelos Lazogiannis (45) nicht überrascht. Im Gegenteil, erklärt der Vorsitzende des Deutsch-griechischen Freundschaftsvereins "Ilios" und Wirt des "El Greco": "Das hätte eigentlich jeder erwarten sollen."

Gut 61 Prozent der Griechen sagten am Sonntag "Nein" zum Reformpaket der internationalen Geldgeber. Wie stehen Sie zu diesem Ergebnis?

Angelos Lazogiannis: Ich habe das erwartet. Ich bin oft in Griechenland und habe die Stimmung dort mitbekommen. Schauen Sie: Über 30 Prozent der Bevölkerung sind arbeitslos. Es gibt kein soziales Netz. Dem Volk geht es schlecht genug. Das "Nein" ist sehr wichtig. Es hat nichts mit dem Euro oder Europa zu tun. Es geht um die Sparpolitik.

Wie hätten Sie selbst gestimmt?

Lazogiannis: Das weiß ich wirklich nicht. Ich lebe seit 25 Jahren in Deutschland und damit länger als ich in Griechenland gelebt habe. Ich kann es nicht sagen.

Gibt es im Verein "Ilios" Streit über dieses Thema?

Lazogiannis: An unserer Freundschaft ändert das nichts. Aber die Meinungen sind schon geteilt: etwa 50:50. Viele unserer deutschen Mitglieder sind oft in Griechenland und haben Verständnis für die Menschen dort. Tatsache ist doch, dass die Sparpolitik der vergangenen Jahre nichts gebracht hat. Ich habe kürzlich gelesen: Griechenland hatte 1994 90 Milliarden Euro Schulden. Bis heute hat es 567 Milliarden zurückbezahlt und trotzdem sind es noch fast 300 Milliarden Schulden. Also muss man etwas anders machen.

Die Griechen lehnen die Sparpläne ab und hoffen, dass es ihnen dann besser geht. Wie soll das funktionieren?

Lazogiannis: Die Griechen leben seit fünf Jahren in Unsicherheit. Das kann so nicht weitergehen. Mein Cousin ist Arzt und verdient 1100 Euro, hier dagegen muss ich einem Tellerwäscher schon 8 Euro die Stunde zahlen. Mein Bruder hat 3 Kinder, ist bei der Feuerwehr und verdient 800 Euro. Wie soll man da eine Familie ernähren?

Sie sind also auch gegen die Sparpläne. Aber wie will Griechenland die Krise meistern?

Lazogiannis: Griechische Medien haben berichtet, die Troika habe Tsipras' Vorschlag, alle Menschen mit über 500 000 Euro Verdienst noch einmal mit 12 Prozent zu besteuern, abgelehnt. Auch die Besteuerung von Wettbüros sei abgelehnt worden. Das wären doch Möglichkeiten gewesen, an Geld zu kommen. Tsipras hat außerdem die Rente mit 67 angeboten. Auch das kommt den Wünschen der anderen Europäer entgegen.

Was kann das griechische Volk zur Besserung beitragen?

Lazogiannis: Wir müssen Fleiß importieren. Wir schließen zwei Zuckerfabriken in Griechenland und kaufen Zucker in Deutschland. Warum? Weil die Bauern, die das Rohmaterial liefern sollen, Geld dafür bekommen, dass ihre Felder brach liegen. Ein anderes Beispiel: Der Markt verlangt 500 000 Kilo Feta-Käse, Griechenland produziert aber nur 50 000 Kilo. Also muss mehr produziert werden, und die Regierung muss den Menschen helfen, die etwas machen wollen.

Tsipras setzt auf neue Verhandlungen. Was meinen Sie dazu?

Lazogiannis: Es muss eine Lösung gefunden werden, eine politische Lösung mit Europa. Nötig ist sicher auch ein Schuldenschnitt.
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