Für ein paar Hundert Euro

Daumen rauf und Daumen runter. Karl Pogoretschnik, vor seinem Modegeschäft "Tally Weijl", sieht die Max-Reger-Straße am Scheideweg. Bild: Götz

Er weiß, wie im Geschäftsleben "der Hase läuft". Doch in der Max-Reger-Straße hoppelt der nur, sagt Karl Pogoretschnik, der hier Mieter ist. Als er vor drei Jahren eröffnete, wusste er nicht, dass die Stadtgalerie kommt. Die Regerstraße muss sich fit machen. Gefordert sieht der Modeunternehmer die Immobilienbesitzer.

Eine Putzkolonne allein reicht nicht, um die Geschäftsstraße auf Vordermann zu bringen. Die Hauseigner müssten Geld in die Hand nehmen, meint Pogoretschnik, der eine Modekette mit 22 Filialen betreibt, im Gesundheitswesen tätig ist und selbst eine Galerie besitzt.

25 Jahre leitete er den Gewerbeverein in Kösching. Er kennt die Mentalität von Mietern und Vermietern. Doch was er in Weiden erlebe, sei "schon einmalig": Die Max-Reger-Straße habe ihre Glanzzeit hinter sich. Überall werde sicht- und spürbar, dass die "Investitionsfreudigkeit" nicht besonders ausgeprägt sei. Die Hausbesitzer kassieren die Mieten - "und damit hat es sich bei den meisten". Es sei ein Unding, in der derzeitigen Lage die Miete zu erhöhen. "Wen wundert's, dass sich Filialisten überlegen, wo sie sich einmieten?"

Die Modebranche, die in der Regerstraße dominiert, krisele. Die Umsätze brechen ein. Die Margen sind so knapp wie selten zuvor. Wegen des Internet-Handels, aber auch aufgrund geänderter Verhaltensweisen. Der Mode-Einkauf konkurriere mit den Ausgaben für Urlaub, IT oder Handy. "Eine 70 Euro Eintrittskarte von Peter Maffey ist wichtiger als eine neue Bluse." In der virtuellen Welt lauert der bequeme Einkaufsbummel. Der Kunde suche das Erlebnis, wolle Freunde, Bekannte treffen. Dafür braucht es Attraktionen und Aktionen. "Was bietet diese Straße?"

"Große Allianz"

"Einzelhändler sind Einzelkämpfer", meint Pogoretschnik. "Gemeinsame Öffnungszeiten: Warum gibt es sie nicht längst?" Doch auch damit werde die Max-Reger-Straße gegen die Stadtgalerie nicht bestehen können. Darum fordert er die große Allianz zwischen Mietern und Vermietern. Wobei er die Hauseigentümer in die Pflicht nimmt. An vielen Fassaden hapert's, Schmutz und Laub in Hauseingängen oder Überdachungen, windschiefe Rollos, schmutzige Fenster. "Unsere Straße muss sauber sein." Eine Weihnachtsbeleuchtung? Sache der Vermieter. "Wir alle stehen nicht nur in Konkurrenz zur Stadtgalerie, sondern zu anderen Städten."

Jeder in der Max-Reger-Straße müsse sich als Teil eines Centers begreifen. Und darum müssten gerade die Immobilienbesitzer einen "Werbekostenbeitrag" einbringen. "Da reichen ein paar Hundert Euro im Monat. Damit kann das Stadtmarketing die Aktionen organisieren, die Weiden, vor allem aber die Max-Reger-Stadt brauchen. Erfolgreich können wir nur gemeinsam sein", betont der Köschinger, der selbst über 220 Mitarbeiter beschäftigt.

Im Gegensatz zu Ingolstadt, wo die Innenstadt durch zwei Einkaufsmagneten zerrissen werde, sei der Standort der Stadtgalerie "gut bedacht, geradezu optimal", merkt Pogoretschnik abschließend an.
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