Für eine menschliche Pflege fordert der Pflegetruck mehr Zeit, Geld und Mitarbeiter
Und plötzlich krachen die Knie

Weiden.(esm) Auf einmal schmerzt der Rücken und jede Bewegung wird zur Qual. Innerhalb weniger Minuten ist es ein unlösbares Problem, sich allein anzuziehen. Unvorstellbar? Nicht im Pflegetruck, der am 25. und 26. September bei seiner Bayerntour einen Zwischenstopp in Weiden einlegt.

"Dazu haben wir uns den Alterssimulator ausgedacht, um die körperlichen Probleme im Alter zu verdeutlichen", erläuterte Diakon Karl Rühl die Idee. Der Vorstand ist der Meinung, dieses Gefühl müsse man am eigenen Leib erfahren, um es zu verstehen. Vor allem die Hilflosigkeit sei für viele Senioren eine große Belastung. Noch schlimmer sei es aber, wenn niemand Zeit für einen habe. Und wie knapp die im Pflegeberuf bemessen ist, verdeutlicht eine überdimensionale Sanduhr im Truck.

Die Veranstaltung verspricht aber auch gute Laune und Stimmung. Bevor der Truck eröffnet, empfängt die Band "Strompostkollektiv" um zehn Uhr die Besucher. Abwechselnd mit den "Konradin Harmonists" begleiten sie die Veranstaltung musikalisch. "Außerdem singen Bewohner der Senioreneinrichtungen Volkslieder und Schlager", verriet der diakonische Leiter. Mit bekannten Liedern wie "Mein kleiner grüner Kaktus" wolle man die vergangene Zeit in die heutige bringen.

Um den christlichen Aspekt hervorzuheben, sprechen die Dekane Slencka und Lukas ein Mittagsgebet in der Michaelskirche. Speziell für junge Menschen stehen moderne Computerterminals bereit, um sich über den Pflegeberuf zu informieren oder Stellenbörsen durchzustöbern. Bei Fragen stehen ihnen Mitarbeiter der Diakonie und Caritas zur Seite. Für Caritas-Vorstand Bernhard Uhl ist der Nachwuchs besonders wichtig: "Sie sind die Zukunft der Pflege und müssen deshalb an das Thema herangeführt werden".

Die Aktion soll aber auch die drei großen Schwachpunkte im Pflegebereich ansprechen. ."Vor allem brauchen wir mehr Zeit, Geld und Personal", sagte Diakon Karl Rühl eindringlich. Zwar wurden die Beiträge für die Pflegeversicherung erhöht, dies reiche nach Ansicht der Diakonie und Caritas aber nicht aus. So werden menschliche Leistungen vernachlässigt und selten refinanziert, obwohl sie in der Pflege wichtig seien. "Aber unter diesen Bedingungen ist das nicht möglich", kritisierte der Geschäftsführer scharf.
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