Für Retter wird's eng

Der Rettungsweg als Nadelöhr: Auch in dieser Straße hätte die Wehr so ihre Probleme. Bild: Götz

Erhitzte Gemüter am Rande eines Feuerwehreinsatzes: Ein Hänger blockiert den Weg, der Besitzer streitet minutenlang mit Einsatzkräften. Ein Verhalten, über das ganz Weiden den Kopf schüttelt. Auch die Floriansjünger haben das so noch nicht erlebt. Keine Seltenheit ist es dagegen, dass es in Wohngebieten schon mal eng wird für sie.

Der Zwischenfall vom Dienstag im Stadtteil Hammerweg hat ein Nachspiel. Inzwischen gab Stadtbrandrat Richard Schieder seine Stellungnahme bei der Polizei ab. Detailliert schildert er, weshalb ein Löschgruppenfahrzeug bei der Anfahrt zu einem Küchenbrand steckenblieb.

Parkende Fahrzeuge auf einer Seite des Weges und insbesondere ein Anhänger auf der anderen verengten die Gasse demnach bis zum Gehtnichtmehr. Und der Besitzer des Hängers habe sich beharrlich geweigert, ihn wegzubewegen. Schieder: "Er wollte nicht mal zulassen, dass unsere Feuerwehrleute den Hänger zur Seite schoben." Die neun Floriansjünger seien die 300 Meter zum Einsatzort dann gelaufen. Derweil schaltete sich ein Polizist in die Diskussion mit dem Anlieger ein. Der gab letztlich nach. Schieder schätzt, dass die Aktion "etwa drei, vier Minuten gekostet" hat. Glück des Blockierers: Zwei andere Feuerwehrfahrzeuge waren längst auf anderem Weg zum Brand im Eulenweg gelangt. "Das dritte sollte sich von hinten nähern, weil im Eulenweg selbst kein Platz mehr war." Weil es also keinen Einfluss auf den Brandschaden hatte, könnte der Störer laut Polizeisprecher Günther Burkhard mit einer Geldbuße wegen einer Ordnungswidrigkeit davonkommen. Immerhin bis zu 5000 Euro müsste er dann der Stadt Weiden überweisen.

Generell gilt: In einer Straße muss ein Rettungsweg von mindestens drei Metern Breite freibleiben. "Für den Parkenden ist das aber natürlich schwer abzuschätzen", weiß der Stadtbrandrat. Schmale Wohnstraßen würden zum zunehmenden Problem, weil ja auch "die Autos immer breiter werden". "Da geht's schon mal verdammt eng zu", sagt Schieder. Manchmal müsse sich die Wehr mit Schrittgeschwindigkeit durchlavieren, manchmal fliege ein Außenspiegel davon. "Dass eine Straße aber total blockiert gewesen wäre, das hatten wir noch nie." Bis Dienstag.

Zu schmale Gassen

Bei einer Diskussion auf der Facebook-Seite des Oberpfalznetz' weisen Bürger auf neuralgische Stellen hin ("Stimmen aus dem Netz", Seite 27). Ein ehemaliger "Hammerwegerer" bestätigt, dass "die Seitenstraßen (...) oft total zugestellt/geparkt" seien. "Vor allem auch im Winter für den Räumdienst eine Katastrophe, da muss und sollte sich schnellstens etwas ändern." Ein anderer beklagt, dass Schulbusse in der Straße "Am Stein" in Rothenstadt stecken blieben. Von mangelnder Einsicht von Parkenden berichtet Kerstin Frotschner: "Wir haben auch schon einige angesprochen. Die Antwort darauf war: ,Naja, wenn's so weit is', fahrn ma scho weg." Oder ,Des geht scho, die kommen scho durch'."

"Überwiegend vernünftig"

Ist Gefahr im Verzug, könnte die Wehr sich den Weg durchaus freirammen. Nötig war das in Weiden noch nie. Stadtbrandrat Schieder kann sich auch nicht erinnern, dass Einsatzkräfte schon mal absichtlich behindert worden wären. "Die Leute sind überwiegend aufgeschlossen und vernünftig." Ein Eindruck, den Herbert Putzer, Chef der Leitstelle, bestätigt. Es komme zwar schon mal vor, dass langsamer fahrende Autos den Sanka nicht vorbeiließen. "Aber eher deshalb, weil das Autoradio zu laut ist und die Fahrer das Martinshorn nicht hören." Probleme mit zu engen Straßen gebe es kaum. Putzer: "Ein Rettungswagen hat aber auch nicht die Lkw-Ausmaße eines Feuerwehrfahrzeugs."

Für den ILS-Leiter ist die Blockade vom Hammerweg "eine Frechheit hoch drei". Aber wirklich auch ein absoluter Einzelfall? Polizeisprecher Burkhard schränkt ein: "Ähnliche Situationen erleben wir öfter. Wenn wir zum Beispiel nach einer Schlägerei Platzverweise aussprechen, heißt es nur selten: Jawoll, machen wir, weil die Polizei das so sagt."
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