Für vier Euro Beute hinter Gitter

Wegen vier Euro Beute zwei Jahre Haft ohne Bewährung. Den Richtern blieb keine andere Wahl. Denn vor ihnen saß ein junger Mann aus Schwarzenfeld, der nach längerem Aufenthalt in einer Jugendstrafanstalt nur wenige Wochen verstreichen ließ, ehe er ein Raubverbrechen beging.

Räuberische Erpressung ist auch dann ein Kapitaldelikt, wenn der Täter nur wenig erbeutet. Im konkreten Fall, zu dessen Erörterung der Angeklagte aus seiner Haftzelle vorgeführt wurde, handelte es sich um lausige vier Euro. Das war die Barschaft eines 14-Jährigen, der heuer am 6. September im Festzelt der Schwarzenfelder Kirchweih von einem Mann angesprochen und barsch aufgefordert wurde, mitzukommen.

Der 14-Jährige weigerte sich, bekam daraufhin einen Faustschlag ins Gesicht und folgte seinem Peiniger zu einer Parkbank in der Nähe des Zeltes. "Ich hab' ihm eine gegeben", gestand der Angeklagte und schilderte, wie es weiterging. Das Opfer musste seine Geldbörse zeigen. Darin befanden sich vier Euro. Diese Münzen nahm der Räuber an sich, gab das Portemonnaie zurück und verschwand.

Crystal auf der Kirwa

Warum? Das Amberger Schöffengericht bekam die Antwort von dem 22-Jährigen: "Ich hätte Geld für Crystal Speed gebraucht." Lakonische Erwiderung des Vorsitzenden Markus Sand: "Mit den paar Euros sind Sie dann ja wohl nicht weit gekommen." Damit lag das Geständnis auf dem Tisch.

Es gab auch noch ein weiteres. Tags zuvor hatte der junge Mann auf dem Schwarzenfelder Kirchweihfest versucht, die geringe Menge von 0,1 Gramm Crystal Speed an ein Mädchen zu verkaufen. "Gewinnbringend", wie er einräumte. Doch aus dem Deal wurde nichts.

"Räuberische Erpressung, Körperverletzung, Nötigung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz", listete Staatsanwältin Franziska Bücherl auf und blätterte in den Vorstrafenakten des 22-Jährigen. Erst heuer im Mai war er wegen gewalttätiger Übergriffe nach zweieinhalbjähriger Haft vorzeitig aus der Jugendstrafanstalt Ebrach entlassen worden. Deshalb lag auch ein Bewährungsverstoß vor.

Gleichzeitig Entzug

In seinem Gutachten hatte der Amberger Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel dem Gericht empfohlen, eine Unterbringung im Drogenentzug anzuordnen. Das geschah dann auch. Der 22-Jährige bekam zwei Jahre Haft ohne Bewährung, er kommt parallel dazu in eine Rauschgiftentzugsmaßnahme.

Das Urteil entsprach dem Antrag der Staatsanwältin. Verteidiger Dr. Gunther Haberl (Schwandorf) hatte sich für eine nicht ganz so hohe Haftstrafe ausgesprochen und ebenfalls den Drogenentzug bejaht. "Bewährung", unterstrich Richter Sand, "kam hier nicht mehr in Frage."
Weitere Beiträge zu den Themen: Dezember 2014 (1863)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.