Ganz oder gar nicht

Maria Schnurrer in ihrem Garten in Neunkirchen. Der Politik weint sie keine Träne nach. Als sie sich ins Privatleben zurückzog, freute sie sich über ihr Mehr an Freizeit - und nutzte es gut. Von 1978 bis 2002 hatte sie der CSU-Fraktion im Stadtrat angehört. Bild: Kempf

Die Weidener kennen Maria Schnurrer als engagierte CSU-Stadträtin, die über Jahrzehnte wirkte. Dann zog sie sich zurück. Wie geht es ihr heute?

War es für Sie eine sehr tiefgreifende Veränderung, als Sie sich entschlossen, nicht mehr für den Stadtrat zu kandidieren?

Maria Schnurrer: Mein Mann war 1995 verstorben. Jetzt nahm ich mir vor, nichts mehr aufzuschieben. Meine Familie musste während meiner aktiven politischen Arbeit häufig zurückstecken, jetzt steht sie bei mir absolut im Vordergrund. Ich verschiebe nichts Privates mehr auf später. Ich war während meiner Stadtratstätigkeit viel unterwegs, war auch im vorpolitischen Bereich engagiert. Jetzt wollte ich die Möglichkeit haben, voll und ganz für meine Kinder und dann auch Enkelkinder da zu sein, wenn ich gebraucht werde, oder wenn sie zu Besuch kommen. Sie leben leider alle nicht mehr in Weiden, aber ich besuche sie, oder sie kommen her. Ich habe die neue freie Zeit auch für zahlreiche Reisen zusammen mit meinem Lebensgefährten Dieter Schriml genutzt. Mittlerweile habe ich viel von der Welt gesehen.

Hinterließ das Ende Ihrer politischen Tätigkeit eine Lücke in Ihrem Leben?

Schnurrer: Ich war vor allem froh, keine Sitzungstermine mehr wahrnehmen zu müssen. Darüber hinaus muss man als Kommunalpolitiker neben der Stadtratsarbeit sehr viele Termine absolvieren. Und da ich ein Mensch bin, der etwas ganz und gar und sinnvoll machen möchte oder es ansonsten ganz lässt, war es schon sehr anstrengend und zeitraubend. Ich bin froh, jetzt keine Verpflichtungen mehr zu haben. Ich besuche auch keine Parteiveranstaltungen mehr. Ich arbeite viel in meinem Garten. Und ich spiele Golf, nehme auch an Senioren-Turnieren teil. Das politische Interesse ist mir nicht abhanden gekommen. Ich lebe es jetzt aus, indem ich die Zeitung ausführlich mit Interesse von vorne bis hinten lese. Nahezu jeden Buchstaben!

Auf welchen Erfolg als Stadträtin sind Sie besonders stolz?

Maria Schnurrer: Ich freue mich noch heute, dass es gelungen ist, in Neunkirchen einen Kindergarten einzurichten. Ich hatte im Kinder- und Jugendhilfeausschuss einen entsprechenden Antrag gestellt. Damals hatte es in allen Stadtteilen bereits Kindergärten gegeben, nur in Neunkirchen noch nicht. Ende der 1980er Jahre wurde er dann eröffnet. Mittlerweile gibt es auch eine Kinderkrippe. Darüber freue ich mich sehr, meine Arbeit war nicht vergeblich!

Sie sagten, dass Sie viel reisen. Gibt es im Zusammenhang damit vielleicht ein Hobby?

Maria Schnurrer: Ich fotografiere sehr gerne und viel. Ich habe mit meinen Bildern auch schon Fotobücher von meinen Reisen erstellt. Auch mache ich Fotokalender, die ich meinen Angehörigen schenke. Zudem habe ich jetzt Zeit, mich einem Thema zu widmen, das mich immer interessierte: die Familiengeschichte. Man kann im Rückblick viel Spannendes über die eigene Familie in Erfahrung bringen. Es ist mir auch ein Anliegen, Traditionen, Familienfeste, Familientreffen weiterzugeben. Ich möchte, dass auch meine drei Kinder und sieben Enkel dieses Brauchtum pflegen.
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