Ganz praktisch zum Praktikum

Ob Hilfe beim Servieren des Mittagessens im Kindergarten oder beim Einrichten der CNC-Maschine im Metallbetrieb: Je nach Ausbildungsrichtung absolvieren die Elftklässler der Fachoberschule ein Praktikum. Keiner muss dafür aber bei den Unternehmen Klinken putzen. Die Schule vermittelt die nach ihren Kriterien streng geprüften Stellen. Oft sogar wohnortnah. Ein Service, den die Schüler sehr zu schätzen wissen und der nicht üblich ist. Bild: dpa

Bewerbungsmappen braucht es nicht. Auch nicht das Abtelefonieren von Personalabteilungen sämtlicher Firmen der Region. Für die Schüler der Fachoberschule genügt es, ihre Wünsche hinsichtlich einer Praktikumsstelle zu äußern - und die Schule tut, was sie kann. Und sie kann viel.

"Bei uns muss kein Schüler wegen einer Praktikumsstelle Klinken putzen", sagt Gabriele Dill, stellvertretende Leiterin der Fachoberschule, die im Wettbewerb der weiterführenden Schulen mit ihrem starken praktischen Ausbildungsbezug als Pfund wuchert. Denn die FOS verfüge über einen Pool, der mit bis zu 250 Praktikumsstellen gut gefüllt sei. Das muss er auch. Erwartet die Schule doch im September mehr Schüler, als sie je zuvor hatte.

Neuer Zweig, neue Stellen

Dann nämlich startet der neue Zweig "Internationale Wirtschaft" mit 75 FOS-Schülern in drei elften Klassen. Auch sie benötigen Praktika. Gleich zwei sind im ersten Schuljahr üblich. Doch Dill bleibt gelassen, verweist auf den bereits bestehenden Pool: "Da finden sich bereits viele Praktika bei international ausgerichteten Unternehmen. Schließlich ist unsere Region mit solchen Firmen auch gut bestückt." BHS Corrugated in Weiherhammer oder Witt Weiden fallen der designierten neuen Schulleiterin spontan ein. "Aber es stimmt: Wir akquirieren weiter."

Mit "Wir" meint Dill nicht nur die Schulbeauftragte für die fachpraktische Ausbildung, Ulrike Feth. Vielmehr nutze jeder Lehrer wegen seines intensiven Kontakts zu den Ausbildern in den Firmen seine Möglichkeiten, um wegen neuer Stellen nachzuhaken. Manch eine Firma frage wegen der guten Erfahrungen von sich aus nach mehr FOS-Praktikanten. "Und ehemalige Schüler, die nun selbstständig sind, bieten ebenfalls Praktikumsplätze bei sich an." Die gute Beziehung zum "Partner Circle" der benachbarten OTH bewirke ihr übriges.

Am Ende stehe dieser qualitativ hochwertige Pool zur Verfügung, der es sogar erlaubt, wohnortnahe Praktikumsstellen beispielsweise von Tirschenreuth bis Wernberg anzubieten. "Wir nutzen hier einfach unser über Jahrzehnte gewachsenes Netzwerk." Das trage aber nur, weil auch die Schüler sich sehr gut in den Firmen verkaufen würden. "Eine schlechte Praktikumsbewertung tut weh. Sie kratzt mehr am Selbstbewusstsein als eine Mathe-Fünf, weil hier die Person als Ganzes und nicht nur eine spezifische Leistung von ihr beurteilt wird." Entsprechend würden sich die Schüler in den Unternehmen reinhängen.

Manch einer schlägt gar von sich aus Stellen vor: "Das greifen wir gern auf, prüfen dann aber erst, inwiefern das Praktikum unseren Kriterien entspricht. Wir geben da das Heft nicht aus der Hand."

Gute Noten reichen nicht

Den wenigen, die diese Eigenmotivation beim Praktikum nicht aufbringen, droht die Schulordnung zum Verhängnis zu werden: "Wer blitzgescheit ist, aber kein Interesse an seiner Praktikumsstelle zeigt, kann das Klassenziel nicht erreichen."
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