"Gaspedal des Körpers"

Mit einem Vortrag über die Schilddrüse eröffnete Chefarzt Professor Dr. Karl-Heinz Dietl (links) die Vortragsreihe zum Jubiläum des Klinikums. Ärztlicher Direktor Dr. Thomas Egginger erzählte aus Geschichte des Weidener Krankenhauses. Bild: Bühner

Die Schilddrüse steuert unsere Organe und unsere Befindlichkeit. Störungen müssen deshalb dringend behandelt werden. Angst vor Operationen? Anders als noch vor über 100 Jahren muss das nicht sein.

(sbü) Das Klinikum Weiden garantiere bei Eingriffen an der Schilddrüse höchste Qualitätsstandards, betonte Chefarzt Professor Dr. Karl-Heinz Dietl zum Thema "Schilddrüsenchirurgie vor 125 Jahren und heute". Dietl eröffnete damit die Vortragsreihe anlässlich des 125. Geburtstags des Weidener Klinikums.

Als "Gaspedal des Körpers" bezeichnete er die Schilddrüse. Sie produziert demnach Hormone, die Herz, Kreislauf und Stoffwechsel im menschlichen Körper steuern und damit fast alle Organe beeinflussen. Am Beispiel von Kaulquappen schilderte Professor Dietl anschaulich, wie wichtig eine funktionierende Schilddrüse ist. Entfernt man diesen Tieren die Schilddrüse, werden sie nicht zum Frosch. Füttert man dann Schilddrüsenhormone, entwickelt sich doch wieder ein Frosch.

Anhand vieler Bilder zeigte der Referent die bekanntesten Krankheitsbilder der Schilddrüse: Struma (Kropf), meistens jodmangelbedingt, und Schilddrüsenkrebs. Aber auch Unter- und Überfunktionen der Schilddrüse lösen Folgeerkrankungen aus und müssen behandelt werden. Wird zuviel Schilddrüsenhormon produziert, werde der Mensch unruhig, schwitze ständig, und sein Stoffwechsel beschleunige sich. Umgekehrt sei es im Mangelfall. Das im Gehirn entstehende Hormon namens TSH steuere die Hormonproduktion der Schilddrüse.

Vor Operationen brauche sich der Patient aber nicht zu fürchten: "Nach drei Tagen sind Sie fast immer wieder zu Hause, sogar bei Krebsbefund", versicherte der Professor. Und anhand der Untersuchung in einer Doktorarbeit von Dr. Melanie Bayerl wurde festgestellt, dass Folgeschäden bei Schilddrüsenoperationen im Weidener Klinikum "fast im Nullbereich liegen". Vor allem auf den Stimmbandnerv müsse der operierende Arzt besonders achten. "Unter 793 operierten Patienten hatten nur zwei beziehungsweise 0,25 Prozent eine dauerhafte Stimmbandlähmung", heißt es in der Untersuchung. Deutschlandweit läge die Quote der "Irritationen des Stimmbandnervs" bei 3 Prozent.

Qualität über Standard

Dietl betonte, dass bei Operationen alles getan werde, um einen zweiten Eingriff überflüssig zu machen. Hier liegt seine Erfolgsquote bei 82 Prozent. Qualitätsstandard "für endokrine Zentren" seien nur 70 Prozent. Ziel für den Chefarzt ist auch, "möglichst wenig zu operieren, die keinen Krebs haben". Während der Operation gebe es eine Schnelldiagnostik über Krebsbefund.

Weil das Klinikum den 125. Geburtstag feiert, berichtete Professor Dietl über die Schilddrüsenbehandlung in der Gründerzeit. Pionier sei der Schweizer Chirurg Professor Kocher gewesen. Er habe es in den Jahren 1884 bis 1890 erstmals geschafft, eine Schilddrüse komplett zu entfernen. Die Sterblichkeitsrate nach solchen Operationen sei von 40 auf 14 Prozent gefallen. Allerdings seien alle operierten Menschen nach zwei Jahren gestorben: Man kannte damals noch keine Schilddrüsenhormone. Diese wurden erst 1919 entdeckt und in Tablettenform hergestellt. Fazit Professor Dietl: "Man kann ohne Schilddrüse leben, aber nicht ohne Schilddrüsenhormone."
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