"Gebt uns eine Chance"

Hoffnungszeichen am Abendhimmel: Am Ende der Solidaritätskundgebung für Flüchtlinge ließen Teilnehmer Luftballons mit aufgedruckten Friedenssymbolen steigen. Bilder: sbü

Viele der Redner zeigten Herzblut. Bei einer großen Kundgebung für Flüchtlinge appellierten Persönlichkeiten vom Oberbürgermeister bis zum Pfarrer für Solidarität. Die bewegendste Ansprache kam aber von einer Betroffenen selbst.

(sbü) Sie hatte Grauenhaftes erlebt: Lama hauste in einem syrischen Flüchtlingslager, das durch barbarische Angriffe und Bombardierung vollkommen zerstört wurde. Deshalb kam sie nach Deutschland - und berichtete am Freitag, dem "Tag des Flüchtlings", bei einer Solidaritätskundgebung vor dem Alten Rathaus vor mehr als hundert Menschen von ihrem Schicksal. Aufgerufen zu der Versammlung hatten das Netzwerk Asyl und seine Mitgliedsorganisationen.

"Gebt uns eine Chance, unsere Zukunft aufzubauen. Wir wollen ein Teil dieses Landes werden und auf unseren eigenen Füßen stehen", bat Lama in ihrer Ansprache. Die junge Frau ist staatenlos, weil ihre Großeltern aus Palästina fliehen mussten und sie, wie sie sagt, "in Syrien als Palästinenserin galt". In Syrien absolvierte Lama ihre Ausbildung als Architektin. Netzwerk-Asyl-Koordinator Manfred Weiß schwärmt von Lamas Bauentwürfen. Ihren Nachnamen will sie allerdings nicht nennen, denn "noch ist bei ihr immer Angst dabei", sagt Weiß.

Verständlich wurde dies als Lama in ihrer Ansprache sagte: "Tolle Leute haben meiner Familie und mir geholfen. Ich danke dafür tief. Leider sind nicht so viele Flüchtlinge im Glück. Sie erleben Ablehnung und Rassismus, es ist oft schlimm." Tief beeindruckt von Lamas Auftritt zeigten sich die übrigen Redner der Kundgebung. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß berichtete zudem von "unglaublichen Geschichten, wie Familien malträtiert werden, Frauen als Ware behandelt und vergewaltigt werden und jemand umgebracht wurde, nur weil er Jeside ist". Und "das erzählen dir 5- oder 7- oder 9-jährige Kinder".

Sogar noch mehr Emotionen waren den Worten von Jost Hess vom Arbeitskreis Asyl zu entnehmen: "Sie fliehen doch, weil sie leben wollen". In Anbetracht von zwölf Millionen Menschen auf der Flucht sprach Hess von "einem Rinnsal, das zu uns kommt". Er kritisierte auch Äußerungen des Bundesinnenministers über "Undankbarkeiten von Asylbewerbern" und nannte die Unterbringung von Balkanflüchtlingen in Großeinrichtungen "gläserne Gefängnisse".

MdB Uli Grötsch (SPD) freute sich über "das weltoffene Weiden" und über eine "positive Visitenkarte Deutschlands auf der ganzen Welt". Weitere Redner waren Pavlo Ploschenko, ein 18-Jähriger aus der Ukraine, sowie Veit Wagner für das Bündnis "Weiden ist bunt". Pfarrer Hans-Peter Pauckstadt-Künkler moderierte die Kundgebung und verlas einen Unterschriften-Aufruf von Amnesty International (mehr auf www.europa-der-menschenrechte.org). Musik steuerten Ronja Künkler am Saxofon und die Trommlergruppe von Josef Langgärtner bei.

Am „Tag des Flüchtlings“ am 02.10. versammelten sich mehrere Hundert Menschen vor dem Alten Rathaus in Weiden und bekundeten ihre Solidarität mit den Flüchtlingen.
Bilder: Siegfried Bühner
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