Gedenken an NS-Opfer: Vizepräsident des Zentralrats der Juden kritisiert Sicherheitsbehörden
Auch "rechtes Auge" öffnen

"Wir alle stehen in der Schuld, damit Erinnerung lebendig bleibt", sagte Landtagspräsidentin Barbara Stamm beim zentralen Festakt für die Opfer des Nationalsozialismus in Bayern. Erstmals fand dieser in einer Schule statt, dem Elly-Heuss-Gymnasium in Weiden. Bild: Huber

Eindrucksvoll erinnerten Schüler beim Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus an das schrecklichste Kapitel deutscher Geschichte. Sie begingen am Freitag mit rund 250 Gästen den zentralen Festakt Bayerns im Elly-Heuss-Gymnasium Weiden.

Diese sahen, wie engagiert, kritisch, mutig und einfühlsam sich die Schüler aus Weiden vom Elly-Heuss-Gymnasium und von der Staatlichen Wirtschaftsschule, aus dem Neutraublinger Gymnasium und der St.-Wolfgang-Mittelschule Regensburg in Projektarbeiten mit dem Thema Nationalsozialismus auseinandergesetzt hatten. Die Präsentationen rührten Jack Terry, den Sprecher der Überlebenden des Konzentrationslagers Flossenbürg, sogar zu Tränen.

Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Dr. Josef Schuster, lobte die Projektarbeit der Schüler. Aber es gebe immer Menschen, die man trotz aller Bemühungen nicht erreichen kann, stellte er fest. Diskriminierungen und Angriffen müsse Einhalt geboten werden. So bedrohe die gesamte rechte Szene unsere Gesellschaft. Besonders scharf kritisierte Schuster, dass Auftritte von Rechten oft nicht verhindert werden können, weil Gerichte sie im letzten Moment doch noch erlauben.

Mit Blick auf die Vorfälle rund um die sogenannte Zwickauer Zelle forderte Schuster von den Sicherheitsbehörden, auch das "rechte Auge" zu öffnen. "Mit beiden Augen sieht man bekanntlich besser", sagte er weiter. So könne am Ende die Arbeit des Staates beim Kampf gegen Rechtsextremismus wesentlich erfolgreicher sein.
Deutliche Worte fand auch Karl Freller. Der Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten und CSU-Landtagsabgeordnete forderte ein NPD-Verbot. "Es ist für mich ein Skandal, wenn diese Leute steuerfinanziert durch unsere Straßen skandieren."

Die gemeinsame Veranstaltung des Bayerischen Landtags und der Stiftung Bayerische Gedenkstätten fand erstmals in einer Schule statt. Landtagspräsidentin Barbara Stamm begründete dies mit den Worten, die Erinnerungsarbeit der Schüler sorge dafür, dass das Gedenken lebendig bleibt. Zugleich merkte sie an: "Der zeitliche Abstand wird für jede neue Generation größer." Zeitzeugen werde es irgendwann nicht mehr geben. "Das Gespräch mit den Überlebenden ist durch nichts zu ersetzen. Umso wichtiger ist die Arbeit der Gedenkstätten." Mit Blick auf die Ergebnisse des Antisemitismusberichts, nach dem jeder fünfte Bürger eine latent antisemitische Haltung einnimmt, stehen laut Barbara Stamm aber alle in der Schuld, Erinnerung lebendig zu halten.

Besuch der KZ-Gedenkstätte

Mit einer Kranzniederlegung in der KZ-Gedenkstätte Flossenbürg endete die Veranstaltung.
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