Gedenkfeier zum Jahrestag der Reichspogromnacht
"Eine Seele kann man nicht vernichten"

Mit einer Gedenkfeier erinnerten Vertreter der Stadt und der Gesellschaft an die Reichspogromnacht. Fürbitten sprachen dazu die Pfarrer Peter Peischl (am Pult, von links) und Alfons Forster sowie Rabbiner Dannyel Morag. Die musikalische Begleitung übernahm Jakob Gebert (vorne). Bild: Götz
Sie mussten ihre eigenen Gräber schaufeln. Die Nazis zwangen die kleine Gruppe Juden, die damals noch in Ungarn war, vor der Erschießung dazu. Und was tat der Rabbiner? Er sang. Auch als der NS-Scherge ihm die Pistole an den Kopf hielt, ihn demütigte. Als sein Peiniger wissen wollte, was er da singe, erwiderte er: Ein Danklied für Gott. Denn die Menschen hier würden nicht sterben. "Eine heilige Seele kann man nicht vernichten." Der Nazi ertrug die Antwort nicht - und erschoss sich selbst.

Rabbiner Dannyel Morag berichtet diese Geschichte am Montagabend bei der Gedenkfeier in der Konrad-Adenauer-Anlage zur Reichspogromnacht. Auf Einladung der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und der Stadt geht es um Erinnerung. Aber auch darum, dass den Nazis ihre totale Vernichtung eben nicht gelang.

Natürlich, die Pogromnacht und was danach folgte - es war eine Tragödie für die Juden, aber auch für "die ganze Menschheit", sagt Leonid Schalov. Jedoch, fügt der Vorsitzende der jüdischen Gemeinde Weiden an, letztlich haben sich "Liebe und gesunder Menschenverstand durchgesetzt". Bei aller Trauer "freuen wir uns, weil wir keine Feinde mehr sind, wir sind alle zusammen ein wunderschönes Volk". Und dabei verdiene Deutschland Respekt, weil es die dunkle Seite seiner Geschichte schonungslos aufarbeite.

Sechs Kerzen

Zu Letzterem gehört natürlich, immer wieder an die Verbrechen von damals zu erinnern. Vor Gästen wie Henny Brenner, die selbst die Verfolgung erlebte, oder Regierungspräsident Axel Bartelt und Vertretern aus Politik und Gesellschaft verlesen Werner Friedmann und Constanze Schöner von der Gesellschaft für Zusammenarbeit die Namen der 45 Weidener Juden, die im Holocaust ermordet wurden. Dazu stellen Fachoberschüler sechs Kerzen auf - für die sechs Millionen Juden, die ihr Leben lassen mussten. Dazu tragen sie mit Studienrat Wolfgang Nicklas einen Zeitzeugenbericht vor. Und einen Abschnitt aus der Bibel, aus dem Buch Hesekiel.

Um Antworten aus der Bibel geht es auch Constanze Schöner in ihrer Ansprache. Antworten auf Fragen wie die, wo Gott damals eigentlich war, als die Nazis mordeten. Die Frage müsste laut dem Alten Testament aber vielmehr lauten: "Wo warst du, Mensch?" Schließlich solle der Mensch Gott lieben, aber auch seinen Nächsten. "An diesem Anruf Gottes hat sich nichts geändert - für Christen wie für Juden", sagt Schöner.

Wachsam bleiben

In diese Richtung gehen auch die Fürbitten, die Morag und die Pfarrer Alfons Forster und Peter Peischl vortragen. Sie bitten nicht nur darum, dass die Erinnerung an die Verbrechen damals nicht verblasst, sondern auch um Frieden und ein Ende jedweder Verfolgung heute.

Heute, erklärt wiederum Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, gehöre jüdisches Leben fest zu Weiden, sei eine Bereicherung. Aber auch eine, die geschützt werden müsse. Denn Antisemitismus sei nicht verschwunden aus Deutschland. Auch dafür brauche es das Gedenken. Um sich daran zu erinnern, "dass es immer und überall gilt, unsere Werte zu schützen und zu verteidigen".
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