Geduldsproben am Issy-Les Moulineaux-Platz

Nun ist auch die kurze "autofreie Episode" des Issy-Les Moulineaux-Platzes schon längst in die Chronik der Stadt Weiden eingegangen. Bis zum kommenden Jahr dominiert jetzt an der Ampel-Anlage wieder der "kategorische Imperativ der elektronischen Schalt-Impulse". Die sattsam kritisierte lange Rot-Phase unterbricht wieder den Strom der Fußgänger wie ein Fluss, über den keine Brücke führt. Nun gibt es aber auch wieder die Gelegenheit, mit anderen Wartenden ins Gespräch zu kommen. Schon Martin Buber hat ja gesagt: "Das Leben ist Begegnung."

Hinter mir höre ich zwei energische Frauen-Stimmen: "Hams scho g'hört, des mit dem Schorsch?" "Ja, scho, aba i habs ja kommen sehn." "Und sei Zamperl riecht ganz penetrantisch." "Is halt a reiner Rudel-Hund." Neben mir begrüßen sich zwei Mannsbilder mit einem sonoren "Habedere" und heben dann die Arme hoch, um anzudeuten, wie überlegen der FC Bayern München seinen Gegner wieder abgefertigt habe. Dann erklingt vor mir eine Kinderstimme: "Omi, du hast am Hals eine Haut wie ein toter Gockel. Ich mag dich aber trotzdem."

Gegenüber am anderen "Ufer" winkt jetzt ein dritter Mann meinen Fußball-Fans zu. Neben ihm vollführen zwei Mädchen weit ausholende Bewegungen. Kommen sie vielleicht von der Jazz-Gymnastik? In diesem Augenblick fällt mir ein weibliches Wesen auf, das neben der rot leuchtenden Ampel-Säule stehend mich freundlich anlächelt. Wirklich mich? Ich schaue mich um und sehe keinen "Konkurrenten". Doch gerade in dem Augenblick, in dem ich mich entschließe, zurück zu lächeln, schaltet die vermaledeite Ampel viel zu früh auf Grün. Sofort nehme ich mir vor, im Rathaus eine Verlängerung der Rot-Phase für die Fußgänger am Issy-Platz zu beantragen.

Übrigens: die beiden Frauen, die vorhin das Thema "Schorsch und sei Zamperl" so ausgiebig diskutiert haben, kümmert weder Ampel-Grün noch Ampel-Rot. Denn als ich auf dem Rückweg wieder vorbei komme, stehen sie noch an derselben Stelle und plaudern immer noch.

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Dieser Beitrag ist Teil einer kleinen Serie mit Weidener Geschichten und Begebenheiten, wie sie unserem Mitarbeiter Peter Tamme bei seinen Streifzügen durch die Stadt so auffallen. Mal ein bisschen ernst, aber meist doch mit einem kleinen Augenzwinkern öffnet er den Blick für alltägliche Dinge, die wir alle eigentlich doch auch schon bemerkt haben.
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