Gefährlicher Druck

Fachvorträge mit Hand und Fuß: Rund 150 Gäste lockten die Referenten und Organisatoren des dritten Nordoberpfälzer Wundforums: (von links) Dr. Eberhard Müller, Johanna Grünthaler, Christine Bertram, Lydia Götz, Kerstin Hess, Brigitte Ramning, Jörg Rothballer, Dr. Georg Aderbauer und Dr. Konstantin Kirchmayr. Bild: Dobmeier

Das Thema "Wunden" ist längst nicht nur für ein paar Spezialisten interessant. Denn gerade in einer alternden Gesellschaft stellen sich dazu viele Fragen. Das und noch viel mehr erfuhren Experten beim Wundforum an der OTH.

Die Fortbildung gibt es alle zwei Jahre - und sie wird stets heiß erwartet, nicht nur in der Region. Jedenfalls zählten die Veranstalter des Nordoberpfälzer Wundforum im Gebäude der Hochschule diesmal 150 Fachbesucher. Das Motto heuer: "Wunden und Druck". Damit beschäftigen sich unter anderem die Vorträge von Lydia Götz und Dr. Eberhard Müller, beide Gefäßchirurgen am Klinikum Weiden, die über "Druckkatastrophen und wirksame Vermeidungsstrategien" berichteten. Zuerst aber gab's wunderbare Musik.

Erst Tango, dann Arbeit

Denn die Organisatoren hatten das "Tango project 5" aus Weiden mit Sängerin Andrea "Bibi" Bibel geladen. Im fachlichen Teil wies das Forum dann darauf hin, dass bei immer älter werdenden und von vielen Begleitkrankheiten betroffenen Patienten Druckschäden, ein "Dekubitus", an verschiedenen Stellen des Körpers vermehrt auftreten. Besonders häufig sind diese Schäden über dem Kreuzbein und an den Fersen. Die Behandlung kann teuer und langwierig sein, nicht selten werden die Patienten durch die Erkrankungen invalidisiert - oder es droht sogar der Verlust eines Beines. Deshalb betonten die Referenten, dass die Prophylaxe solcher Druckulcera unbedingt im Vordergrund stehen müsse. Dies betreffe Kliniken wie Altenheime.

Anschließend referierte Professor Dr. Lukas Prantl, Leiter der Abteilungen für plastische Chirurgie an der Universitätsklinik und am St.-Josef-Krankenhaus in Regensburg. Er berichtete, wie mit den speziellen Techniken der plastischen Chirurgen Defekte wieder gedeckt werden können.

Der Weidener Mediziner Dr. Georg Aderbauer behandelte die Frage, ob man durch besondere Ernährung die Wundheilung fördern kann. Die Antwort fiel differenziert aus. Man sollte Mangelernährung und ungewollte Gewichtsabnahme vermeiden, da in solchen Situationen die Heilung verschlechtert ist und leichter neue Wunden auftreten, erklärte er. Es gebe aber keinen wissenschaftlichen Beweis für einen Zusammenhang zwischen Ernährung und Wundheilung. Insbesondere die Zufuhr von Vitamintabletten berge mehr Risiken als Chancen. Da kein Nutzen erwiesen ist, blieben nur die Gefahren. Bei zusätzlicher Aufnahme von Vitamin E seien beispielsweise mehr Herzinfarkte und Todesfälle festgestellt worden. Nur bei nachgewiesenen Mangelzuständen hätten deshalb gezielte Vitamingaben ihren Platz.

Wiedersehen 2017

Neben den Vorträgen bot das Forum auch eine große Industrieausstellung mit mehr als 30 Ständen. Zudem gab es Workshops zu den Themen Lagerung, Wundrandschutz und Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe. Der Dank der Veranstalter galt den Technikern der OTH. Für 2017 ist wieder ein Forum geplant.
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