Gefühl des Glücks

Über seine aufregenden Erlebnisse in der Zeit vom Herbst 1989 bis zum 3. Oktober 1990 berichtete der damalige Leiter der Grenzschutzabteilung Nabburg, Polizeidirektor a. D. Walter Wolf, bei der Ausstellungseröffnung im Schnaittenbacher Kulturstadl. In bewegenden Worten erinnerte er sich: "Wir waren beim ersten Überqueren der Grenze damals auf der einen Seite erfüllt von einem Gefühl des Glücks, des Staunens und einer gewissen Ungläubigkeit, dass so etwas jetzt möglich ist, aber auch gepaart mit ein wenig Unsicherheit."

Wolf schilderte den ersten Flug mit dem Hubschrauber am 3. Oktober 1990 entlang der A 9 und über den Thüringer Wald, um die aktuelle Lage zu erkunden. Die Nabburger Abteilung des Bundesgrenzschutzes sei seit 1989 mit der Betreuung der Übersiedler betraut gewesen, die zunächst über Ungarn gekommen seien und für die man fünf große Zeltlager im südostbayerischen Raum, darunter eines in Tiefenbach bei Passau, errichtet habe.

"Gerade in dieser Zeit haben meine Kollegen manchmal Unmenschliches geleistet, um ankommenden Menschen zu helfen und ihnen den Neustart zu erleichtern", erklärte er. Er sei auch dabei gewesen, als die Züge aus Prag in Hof eingetroffen seien und die Weiterleitung der Übersiedler zu organisieren gewesen sei. In Nabburg seien die Übersiedler in Notunterkünften untergebracht und verpflegt und ihnen das Begrüßungsgeld ausgezahlt worden.

"Es war damals eine aufregende Zeit, deren Zauber sich niemand entziehen konnte. Wir dürfen dankbar sein, dass wir diesen historischen Moment erleben, ja sogar aktiv mithelfen konnten, um die deutsche Einheit Wahrheit werden zu lassen, und das in einem friedlichen Prozess", betonte Wolf.
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