Geld und Natur sind vereinbar

Waldbesitzer Jakob List (vorn), WBV-Geschäftsführer Jörg Berendes, Revierförster Stefan Binner und Forstdirektor Richard Schecklmann (hinten, Erster, Dritter und Fünfter von rechts) erklärten den Waldbauern, wie ökologische und ökonomische Waldbewirtschaftung gelingen kann. Bild: ibj

"Gewinnorientierte Forstwirtschaft und der Schutz seltener Arten und ihrer Heimstätten stellen keinen Widerspruch dar." Diese These fanden die 30 Teilnehmer bei einer Waldbegehung bestätigt.

Zu der Veranstaltung nahe Schönlind eingeladen hatte das Forstrevier Hahnbach zusammen mit der Waldbauernvereinigung (WBV) Sulzbach-Rosenberg, dem Landesbund für Vogelschutz und der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.

Bei dem zweieinhalbstündigen Rundgang erlebten die Teilnehmer wie auf einer Zeitreise anhand unterschiedlicher Waldbilder die Entwicklung eines Gehölzes vom reinen, strukturarmen Kiefernforst hin zum strukturreichen Mischbestand mit ökologischen Nischen für viele bedrohte Arten.

Wertvolle Strukturen

Am Anfang der Entwicklung steht die Umwandlung eines reinen Kiefernforstes in einen Mischwald, dessen Baumartenreichtum die Grundlage für das Entstehen naturschutzfachlich wertvoller Strukturen bildet. Dass sich dabei ökologischer und ökonomischer Nutzen nicht ausschließen, zeigte sich auf eindrucksvolle Weise in den Wäldern der Familie List aus Irlbach. Hier bildete sich im Lauf von 15 Jahren in einem intensiv bewirtschafteten Kiefernwald unter Ausnützung der reichlich vorhandenen Saaten des Eichelhähers und hinter dem Schutz eines Wildzauns ein baumartenreicher Mischwald mit mehreren Schichten aus jungen und alten Bäumen heraus. Durch seine nährstoffreiche Blattstreu verbessert diese Art des Waldes nicht nur den für die Gegend typischen armen Waldboden, sondern produziert den wertvollen Rohstoff Holz gleichzeitig auf mehreren Ebenen - ein doppelter Gewinn für den Waldbesitzer.

Eine Dohlenkolonie

An den weiteren Stationen der Wanderung warfen die Teilnehmer einen Blick in die Zukunft des Mischwaldes und erlebten Strukturen, die erst nach vielen Jahrzehnten bis Jahrhunderten an alten Bäumen entstehen. So entdeckten sie Schwarzspechthöhlen in alten Rotbuchen, die neben dem ursprünglichen Baumeister zahlreichen weiteren Arten als Wohn- und Brutstätte dienen können. Landkreisweit bedeutsam, weil sehr selten, ist beispielsweise die Dohlenkolonie, die in einigen der alten Höhlen eine Heimat gefunden hat. Fledermäuse, Eulen, Bilche und Hornissen seien weitere mögliche Nachmieter.

Michael Scharl vom Landesbund für Vogelschutz erklärte das Revierverhalten der Schwarzspechte. Sepp Erl (Untere Naturschutzbehörde) stellte ein Förderprogramm vor, das Waldbesitzern einen finanziellen Ausgleich für den Erhalt und Schutz von Höhlenbäumen gewährt. Einen weiteren Höhepunkt stellte eine alte Eiche mit einer Mulmhöhle dar. Mulm ist eine Mischung aus stark zersetztem Holz, Pilzen und den Ausscheidungen bestimmter Insekten und kann nur in besonders alten, im Kern hohlen Bäumen entstehen. Einige der seltensten Käferarten Bayerns haben sich auf dieses extrem rare Substrat spezialisiert und können sich nur dort vollständig entwickeln.

Die Veranstaltung zeigte, dass Naturschutz mit sehr einfachen Mitteln in die Waldbewirtschaftung integriert werden kann. Der wichtigste Grundsatz lautet: "Strukturen schaffen." Häufig genügt dazu kleinflächiges Nichtstun. Einmal einen Baum alt werden zu lassen und nicht jeden abgestorbenen Baum zu entfernen, sind leicht umsetzbare Maßnahmen.
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