Gemeinsamkeiten im Glauben

Referent Dr. Abbas Amin (Mitte) bot an der OTH akustische und optische Eindrücke aus der Welt des Islam. Organisiert hatten den Vortrag die Hochschulseelsorger Dr. Markus Lommer (links) und Hans-Martin Meuß sowie Stefanie Grimm von der OTH-Bibliotheksleitung (rechts) und Manuela Schmucker von der Buchhandlung Rupprecht. Bild: sbü

Islam, Judentum, Christentum: Die drei Weltreligionen haben mehr Gemeinsamkeiten als nur den Monotheismus. Überraschend viele weitere Parallelen zeigte ein Vortrag an der Hochschule, der die Zuhörer gleichzeitig in eine andere Welt entführte.

(sbü) Für viele Zuhörer war es ein Abend voller Überraschungen: Kulturwissenschaftler Dr. Abbas Amin von der OTH Regensburg hielt an der Hochschule Weiden keinen wissenschaftlichen Vortrag. Stattdessen bot er bei der dritten "Literatur-Lounge" einen Erlebnisabend mit viel akustischer Untermalung aus dem Koran und der Welt des Islam.

Hörbare Eindrücke

Eine magisch-orientalische Stimmung verbreitete sich im dunklen Raum. Zu Beginn war der Muezzin zu hören, während des Vortrags rezitierte Amin zudem mehrmals arabische Koran-Verse mit singender Stimme auf gleichbleibender Tonhöhe. Zu hören waren das gerollte "L", das harte "CH" aus dem Kehlkopf und das endsilbenbetonte "Allah". Authentisch. Schließlich stammt Amin aus Kairo. Er hat Germanistik studiert und lebt seit 20 Jahren in Regensburg.

Amin tauchte seine Zuhörer nicht nur atmosphärisch in die Welt des Islam ein, sondern lieferte auch zahlreiche Informationen und Einblicke in und über den Koran. "Leite uns den rechten Pfad - Den Koran lesen und verstehen": So hatte er sein gut zweistündiges Referat überschrieben. Am Ende stand eine Erkenntnis: "Das, was die Welt heute in den Nachrichten zu dem Wort Islam hört, hat nichts mit der Lehre des Korans zu tun."

Ausdrücklich sagte der Referent: "Ich will den Islam erklären und nicht die aktuelle politische Lage." Der Koran wolle ein friedliches Miteinander aller Religionen. "Es geht um die Liebe und um das Retten der eigenen Seele." Missbrauch der Religionslehre und Rassenkampf gebe es überall, vor allem dann, wenn sich Machtstreben mit Religion verbinde. Auch die Vergangenheit des Christentums und des Judentums habe dafür zahlreiche Belege geliefert.

Schwere Auslegung

Die arabischen Länder seien bis in das vergangene Jahrhundert "vom Kolonialismus ausgebeutet" worden, erklärte er eine Ursache der Schwierigkeiten. Und: "Es gibt eine Komplexität in der Exegese des Korans, und nicht jede Interpretation kommt von einem Gelehrten." Dabei gebe es viele Stellen im Koran, die einen friedlich-religiösen und auf das Jenseits orientierten Charakters des Islam zeigten.

Weite Teile des Referats widmete Amin den Gemeinsamkeiten von Islam, Christentum und Judentum. So stehe auch im Koran: "Alle Menschen haben denselben Vater und dieselbe Mutter, auf dass ihr einander erkennen möget." Der Referent las daraus die Aufforderung, "dass wir uns gegenseitig annehmen, denn keiner ist besser als der andere".

Daneben zeigte Amin auf, dass sich die Zehn Gebote auch im Koran finden - teils sinngemäß, teils sogar in wörtlicher Übereinstimmung mit der christlichen Überlieferung. "Alles, was im Judentum und im Christentum steht, steht auch im Islam", bilanzierte Amin. Veranstalter des Vortragsabends waren die OTH-Hochschulseelsorger Hans-Martin Meuß und Dr. Markus Lommer, das Sprachenzentrum Osteuropa, die Bibliotheksleitung der OTH sowie die Buchhandlung Rupprecht.
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