Gespräch mit der Juso-Bundesvorsitzenden Johanna Uekermann - Niederbayerin fordert von ihrer ...
Die Stimme der Jugend in der SPD

Die Bundesvorsitzende der Jusos, Johanna Uekermann, ist seit zehn Monaten im Amt. Bild: dpa
Es gehört seit Jahrzehnten zum Selbstbild der Jungsozialisten, dass sich der Jugendverband der SPD als Mahner und Gewissen der Mutterpartei versteht. Daran hält auch Juso-Bundesvorsitzende Johanna Uekermann fest. Allerdings macht die Beteiligung der SPD als Junior-Partner in einer Großen Koalition diese Aufgabe nicht leichter.

Zwar betont auch die 27-Jährige aus Niederbayern im Gespräch mit unserer Zeitung: "Grundsätzlich gilt, wenn Positionen in der SPD diskutiert werden, die wir als Jusos kritisch sehen, dann sind wir auf Krawall gebürstet." Zugleich aber lobt die Juso-Chefin auch die Erfolge, die ihre Partei in dieser Regierung errungen hat. "Natürlich ist der Mindestlohn ein großer Erfolg. Dafür haben wir jahrelang gekämpft."

Ausnahmen ein Fehler

Allerdings hält Uekermann die Ausnahme bei Langzeitarbeitslosen und bei Menschen unter 18 Jahren für einen Fehler. Bei Ersteren befürchtet sie, dass die Regelung zum Drehtüreffekt führt. Denn sie seien für ein halbes Jahr von der Mindestlohnregel ausgenommen. Ein Arbeitgeber könnte auf die Idee kommen, diese Kräfte beständig durch neue zu ersetzen. Die Sorge, Jugendliche würden, falls sie den Mindestlohn erhalten, lieber arbeiten und auf eine Ausbildung verzichten, teilt sie nicht. "Junge Menschen sind nicht dumm. Sie wissen, dass sie eine gute Ausbildung brauchen." Statt der Ausnahmeregelung fordert Uekermann, die Ausbildung zu verbessern, eine Mindestvergütung in der Ausbildung festzuschreiben und die Berufschulen besser auszustatten. Sie sagt, die Jusos wollen dass die Mindestlohnregeln nach einem Jahr auf ihre Wirksamkeit hin überprüft werden.

Ihr Besuch am Samstag bei der Juso-Bezirkskonferenz Oberpfalz in Weiden ist für Uekermann ein Heimspiel. Sie ist in Mitterfels, einem Dorf bei Straubing, aufgewachsen, und kennt viele Oberpfälzer seit Jahren. Die Tochter eines Lehrerehepaars ist mit 15 Jahren in die Politik eingestiegen, machte bei den Jusos und in der SPD Karriere. Sie studierte Politikwissenschaft in Würzburg und Genf, kämpfte vergeblich um ein Bundestagsmandat und ist seit zehn Monaten Juso-Bundesvorsitzende.

Kreisrätin in Straubing

Doch sie will nicht die Bodenhaftung verlieren und nur in der Berliner Blase leben. Uekermann ist Mitglied im Straubinger Kreistag. Bei der Kommunalwahl überflügelte sie sogar ihren Vater, obwohl dieser SPD-Fraktionsvorsitzender ist. "Er hat sich gefreut", antwortet die 27-Jährige auf die Frage nach dessen Reaktion.

"Juso-Bundesvorsitzende ist ein Ehrenamt", sagt die Niederbayerin. Also hat sie sich in Berlin einen Arbeitsplatz gesucht. Sie ist Referentin beim SPD-Bundestagsabgeordneten Axel Schäfer aus Bochum, nicht bei der Bundestagsfraktion, wie immer wieder falsch berichtet wird. Uekermann hat eine Halbtagsstelle, damit Zeit für das Amt der Juso-Vorsitzenden bleibt. "Ich trenne das sauber", betont sie.

Die jüngste Mahnung der Jusos an die Parteiführung gab es in Sachen Politikerwechsel in die Wirtschaft. "Ich sehe grundsätzlich Seitenwechsel nach kurzer Zeit sehr kritisch", sagt Uekermann. Auslöser für die Mahnung war die Nachricht, dass der ehemalige FDP-Gesundheitsminister Daniel Bahr zur Allianz-Versicherung geht. "Es ist sehr wichtig, dass die Regierung verbindliche Standards festlegt", fordert die Juso-Chefin. "Karenzzeit ist schon das Entscheidende, besonders bei ausscheidenden Mitgliedern einer Bundesregierung." Uekermann unterstützt dabei den Vorschlag von Lobbycontrol, die drei Jahre fordern.

Uekermann, die von der SPD mehr Profil fordert, ruft zusammen mit dem Sprecher der "Parlamentarischen Linken" der SPD-Bundestagsfraktion, Carsten Sieling, und dem Parteivize Ralf Stegner (Schleswig-Holstein) zur Gründung einer neuen Parteilinken auf. Als solche verstehen sich die Jusos, und sie stellen nominal eine große Gruppe unter den rund 470 000 SPD-Mitgliedern. "Wir haben rund 70 000 Mitglieder. Ungefähr 50 000 unter 35-jährige SPD-Mitglieder plus diejenigen, die nur Jusos sind", sagt Uekermann.

In zwei Wochen beim Kongress "Morgen links leben" in Erfurt wollen die Jungsozialisten ihren Links-Kurs abstecken, auch mit Blick auf die Bundestagswahl im Jahr 2017.
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