Gestürzter Kinderwagen? Grundlose Attacke? - Gericht stellt Verfahren nach Streit ein
Frauen lassen Fäuste fliegen

(rns) Durcheinander, kreischende Frauen, Fäuste fliegen. Angeblich fällt ein Kinderwagen um. Solche Szenen sollen sich an einem sonnigen Donnerstag im Oktober in der Max-Reger-Straße abgespielt haben. Zwei Frauen sollen eine 19-Jährige grundlos ins Gesicht geschlagen und - als sie am Boden lag - auch noch mit Füßen in den Rücken getreten haben. Nun folgte das gerichtliche Nachspiel, das mit einer Einstellung des Verfahrens endete. Zunächst aber wurde es kompliziert.

Vor Strafrichter Roland Güll und Staatsanwältin Claudia Stingl konnte sich die 19-Jährige, die damals verletzt wurde, nicht mehr erinnern, wer sie getreten hatte. Mit der Faust ins Gesicht geschlagen habe sie aber sicher die 35-Jährige, die zusammen mit einer 27-Jährigen auf der Anklagebank saß. Allerdings wehrten sich die zwei vehement gegen die Anschuldigungen. Ihre Verteidiger, die Rechtsanwälte Tobias Konze und Dr. Hans-Wolfgang Schnupfhagn, konnten sie kaum bändigen.

Aus einer "verbalen Diskussion" habe sich ein "Gerangel" entwickelt, so die Frauen. Ein "Familiending", bei dem es auch um Geld-Geschichten gegangen sei. Eine Schwester der jüngeren Angeklagten sei mit der 19-Jährigen zu Boden gegangen. Diese sei zu diesem Zeitpunkt schwanger gewesen. Die Mutter der Geschädigten habe den Kinderwagen umgeworfen. Das einjährige Baby sei dann hilflos auf dem Bürgersteig gelegen. Da man sich um das Kleinkind habe kümmern müssen, sei es völlig unmöglich, in dieser Situation auch noch zugeschlagen zu haben. Von einem umgefallenen Kinderwagen wollte die Mutter der Praktikantin nichts gesehen haben. Sie erinnerte sich nur noch, dass die 27-Jährige ihre Tochter "wegen Problemen" habe schlagen wollen. Die ersten Beleidigungen seien von der älteren Angeklagten ausgegangen. Sie selbst, so die 41-jährige Mutter, habe bei den Auseinandersetzungen ein blaues Auge davongetragen. Von wem der Schlag ausgegangen war, wisse sie nicht mehr.

Schließlich wurde es Richter Güll zu dumm. "Bevor die Sache noch undurchsichtiger wird", stellte er, mit Zustimmung der Staatsanwältin, den Fall ein. Eine der Frauen konnte lachend den Gerichtssaal verlassen. Die andere, vorgeführt aus dem Frauengefängnis, wo sie derzeit ihre siebte Haftstrafe absitzt, musste noch bleiben. Gegen sie wurde anschließend noch einmal wegen eines Diebstahls verhandelt (Bericht folgt ).
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