Gewerbe ja, mehr Verkehr nein

Gerhard Rix: "Weiden braucht die zusätzlichen Arbeitsplätze, möglichst schnell und möglichst viele."

Reinhold Stangl sagt's klipp und klar: Er ist kein Freund des geplanten Gewerbegebietes West IV. Warum? Zusätzliche Verkehr wird kommen. Die Laster rauschen jetzt schon nur sieben Meter an seinem Schlafzimmer vorbei. "Es wird nur noch schlimmer."

"Was haben wir im Weidener Westen nicht schon alles, was wir nicht brauchen? Den Schießlärm, den Verkehr auf der B 470, den Flugplatz Latsch ...", poltert der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft. Er würde sich versöhnen lassen: Mit einen lückenlosen Lärmschutz bis hinaus zur Latscher Kreuzung. Nur Sonja Schuhmacher (Bund Naturschutz) tritt bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend massiv auf. Sie wirft der Stadt vor, mit fehlerhafter Planung, die auf falschen Annahmen beruhen, wertvollen Bürger- und Stadtwald zu vernichten.

Beide geben jedoch nicht den Grundtenor der Redner bei der Bürgerversammlung wieder. Die meisten Bürger haben keine grundsätzlichen Einwendungen. Vielmehr besteht ein großes Informationsbedürfnis, weshalb OB Kurt Seggewiß zur Bürgerversammlung speziell für Weiden-West einlud. Den gesamten Themenkomplex zum Hochwasserschutz, den Luise Amschl mit ihrer Frage eröffnete, konnte der beratende Ingenieur Reinhard Brodrecht erläutern.

Thema Wald abgehakt

Überraschend keine große Rolle bei den zuletzt über 80 Bürgern spielt der Erhalt des Erholungswaldes. Christine Brandl, die für die TNL-Umweltplanung die spezielle artenschutzrechtliche Untersuchung durchgeführt hat, gesteht zwar, dass viel Wald verloren gehe. Es werde jedoch versucht, die Eingriffe in Grenzen zu halten und auszugleichen. Dazu dient unter anderem ein ganzes Netz von ökologisch wertvollen Verbindungen, die sich durch das Gewerbegebiet ziehen.

Ingenieur Matthias Rühl erläutert auf Nachfrage von Herbert Hammer (Vorsitzender SPD-Ortsverein Weiden-West) ebenfalls die vielen "Grünachsen". Die lassen sich als Wander-, Spazier- und Rundwege nutzen, die an die alten Verbindungen, etwa hinein in die Schweinenaabaue anbinden.

Der Bürgerentscheid, so merkt Michaela Krämer (Hagedornweg) an, sei mit einer suggestiven Fragestellung manipuliert worden. "Man hat das Gefühl, es wird nicht immer mit offenen Karten gespielt."

Und sie erinnert zwei Stadträte an das Versprechen, die Gewerbeflächen an der Pressather Straße aus der Planung herauszunehmen. Doch weder Bürgermeister Jens Meyer (SPD) noch CSU-Fraktionschef Wolfgang Pausch wollen dieses Versprechen bei Ortsterminen gegeben haben.

Über Größe des Gewerbegebietes, über Auflagen usw. sei noch längst nicht entschieden, meint dazu Stadtkämmerin Cornelia Taubmann, die das Projekt leitet. "Wir sind doch erst bei den Voruntersuchungen. Wir spielen alle Varianten. Entscheidend ist die Frage, was kostet ein Quadratmeter Gewerbefläche." Wolfgang Krämer nimmt enttäuscht zur Kenntnis, dass noch nicht feststeht, wo und wie die nötige Erschließung angebunden wird. Dazu Taubmann: "Viel zu früh."

Die Stadträte Hans-Jürgen Gmeiner (CSU) und Stefan Rank warnen vor einer zusätzlichen Verkehrsbelastung in der Pressather Straße. Verkehrsexperte Dr. Reinhold Baier entwirft eine Reihe von Alternativ-Vorschlägen für die Knoten Latscher-Kreuzung sowie Gewerbegebiet/Pressather Straße. Auf Nachfrage von Hans-Dieter Franik bestätigt OB Kurt Seggewiß, dass der Ausbau der Einmündung Dr.-Müller-Straße in die B 470 auf alle Fälle komme. Die höhenfreie Anbindung sei schon allein für die bestehen Gewerbegebiete nötig, aber auch Voraussetzung für das neue Gewerbegebiet. Gerhard Rix begrüßt die Planungen der Stadt ausdrücklich. "Wir brauchen neue Arbeitsplätze."
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