Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten: Fast 46 Prozent der Beschäftigten in Weiden bangen um ...
Unsichere Jobs: "Alarmierende Tendenz"

Mini-Jobs, Teilzeit, Leiharbeit - unsichere Arbeitsverhältnisse haben in den letzten Jahren stark zugenommen, sagt Rainer Reißfelder, Geschäftsführer der Gewerkschaft NGG Oberpfalz. Bild: hfz
Unsichere Jobs werden in Weiden immer mehr zum "Normalfall". Im vergangenen Jahr arbeiteten knapp 46 Prozent der heimischen Beschäftigten in Teilzeit- und Mini-Jobs oder hatten ein Leiharbeitsverhältnis. Vor zehn Jahren lag der Anteil der sogenannten "atypisch Beschäftigten" dagegen noch bei rund 35 Prozent. Auf diese alarmierende Tendenz verweist die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten.

Die Gewerkschafter berufen sich dabei auf eine aktuelle Studie der Hans-Böckler-Stiftung, die den Arbeitsmarkt in Weiden unter die Lupe genommen hat. Demnach arbeiteten im vergangenen Jahr rund 14 800 Beschäftigte in nicht-regulären Jobs.

Schieflage auf Arbeitsmarkt

"Für uns ist diese Tendenz erschreckend alarmierend. Wenn mittlerweile so viele Menschen keinen stabilen Arbeitsplatz haben, zeigt das die Schieflage auf dem Arbeitsmarkt in Weiden", sagt Rainer Reißfelder von der Gewerkschaft NGG Oberpfalz. Gerade Mini-Jobs hätten zugenommen. In der Gastronomie seien diese besonders verbreitet - auf Kosten von regulärer Beschäftigung.

"450 Euro reichen aber meist nicht zum Leben. Deshalb müssen viele Menschen mehrere Mini-Jobs machen, oft ohne Sicherheit und in der Angst, die Stelle schnell zu verlieren", so Reißfelder. Der Gewerkschafter warnt: "Wackelige Jobs heute sind die Altersarmut von morgen."

Berufsanfänger in Not

Auf den ersten Blick gehe es Bayern wirtschaftlich gut. Beim genauen Hinsehen würden sich hinter den hohen Beschäftigungszahlen aber viele unsichere Jobs verbergen, so der NGG-Geschäftsführer. "Unbefristete Vollzeit-Stellen sind heute zur Ausnahme geworden, gerade für Berufsanfänger", sagt Reißfelder. Die NGG fordert die Arbeitgeber in Weiden auf, wieder "mehr reguläre und tariflich bezahlte Jobs" zu schaffen. "Der seit Januar geltende gesetzliche Mindestlohn, für den sich die NGG seit Jahren eingesetzt hat, ist dabei eine feste Untergrenze. Durch den Mindestlohn haben viele Beschäftigte erstmals die nötige finanzielle Sicherheit", so Rainer Reißfelder. Daran dürfe nicht nachträglich gerüttelt werden.

Weniger Vollzeitjobs

"Manchmal kann es für Mini-Jobs und Teilzeit auch gute Gründe geben. Zum Beispiel machen sie Sinn für manche Rentner oder Studenten, die sich ein bisschen dazu verdienen wollen", sagt der NGG-Geschäftsführer. Zum echten Problem werde irreguläre Beschäftigung aber dann, wenn Vollzeit-Stellen abgeschafft werden - "und sich der Kellner oder die Verkäuferin in der Bäckerei ihr Monatseinkommen zusammenstückeln müssen", so Reißfelder.
Weitere Beiträge zu den Themen: Juli 2015 (8666)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.