Gisela Haußner spricht über Backwaren im kirchlichen Jahreskreis
Brot und Bräuche drumherum

Nicht nur einen interessanten Vortrag zum Thema "Gebilde- und Brauchtumsbäckerei" von Gisela Haußner (Zweite von rechts), sondern auch die von ihr mitgebrachten Backwaren konnten die Mitglieder der fünf Sachausschüsse des Gauverbandes der Heimat- und Volkstrachtenvereine bei ihrer Sitzung im Hirschauer Sportpark genießen. Mit im Bild der Hirschauer Vorsitzende Franz Dolles (Dritter von rechts) und Georg Haußner (rechts). Bild: u
Zur Kirwazeit lässt man sich Küchln schmecken, zu Allerheiligen Allerseelenspitzel und zur Weihnachtszeit Plätzchen. Drei Beispiele zeigen, dass der kirchliche Jahreskreis mitbestimmt, welche Backwaren wir herstellen. Dass der Einfluss christlicherTage im Prinzip das ganze Jahr über andauert, machte Gisela Haußner bei ihrem Vortrag über Gebilde- und Brauchtumsbäckerei im Hirschauer Sportpark bewusst.

Ursprung der Bäckerei

Dort begrüßte Trachtenvereinsvorsitzender Franz Dolles die Mitglieder der fünf Sachausschüsse des Oberpfälzer Gauverbandes der Heimat- und Volkstrachtenvereine, unter ihnen auch die Kreisheimatpfleger Martha Pruy (Schnaittenbach) und Dieter Dörner (Amberg). Ihre Arbeit in einem Seniorenheim, so Haußner - im Donaugau-Trachtenverband Vorsitzende des Sachgebiets Brauchtum - habe ihr Interesse geweckt. Erzählungen, was zu welchem Fest gebacken wurde, hätten sie zu Nachforschungen animiert. Brot sei Ursprung jeglicher Bäckerei. Es habe bei vielen Ackerbau treibenden Völkern als heilig gegolten. Brot sei nicht nur Grundnahrungsmittel. Es habe große symbolische und spirituelle Bedeutung. Rund um das Brot gebe es noch heute viele Bräuche, verbunden mit dem Glauben an übernatürliche Kräfte. Zöpfe wie die Breze, das Zunftzeichen der Bäcker, verschenkten Glück, Gesundheit und Segen.

In verschiedenen Gegenden gebe es den Brauch des Barbarakuchens. An Nikolaus habe die Lebkuchenbäckerei begonnen, heute oft als Nikolausfigur zu sehen. Zu Luzia habe es Hefeteig mit Kerzen gegeben, zu Weihnachten Stollen, Kletzenbrot und Plätzchen. Am 27. Dezember, dem "Menschatog", habe so mancher Bursch seine Frau gefunden. Dann habe er von seiner Angebeteten ein Kletzen- oder Hutzelbrot bekommen, was so viel wie ein Jawort bedeutete. Zu Neujahr habe man den Neujahrskranz oder das Neujährchen, ein Gebäck in S-Form aus Hefeteig erstellt. Während der Raunächte habe kein Schwarzbrot gebacken werden dürfen, da sonst jemand im Haus während des Jahres stirbt.

Bohnenkuchen, Krapfen

Eine Besonderheit an Dreikönig sei der Bohnenkuchen gewesen - aus mehreren Kugeln zum Kreis geformt. In einer Kugel habe die Bäckerin eine Bohne versteckt. Zu Fasching gehörten Schmalzgebäck, Krapfen und Küchln. Eine Hausfrau, die keine gebacken hatte, habe als Hexe gegolten. Zum Josefitag habe man Baumwollbrot gebacken. Am Gründonnerstag seien ohne Salz gebackene Brötchen verteilt worden. An Karfreitag sei Backen von Osterlämmern, Osterbrot und Flohnkuchen angestanden. Pfingsten habe es Pfingstvögerln, Tauben aus Hefeteig gegeben, am Johannestag Hollerküchl, Sonnenräder und Johanneskücherln, zu Mariä Himmelfahrt Kräuterbrot, zum Erntedank, zur Kirwa Küchln, Guglhupf, Schmalzgebäck und Flammkuchen, zum Martinstag eine gebackene Martinsgans, ein Martinshörnchen oder auch Martinsschiffchen.
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