Glaube statt Abgrenzung

Die Krisen der Welt und vor allem das Leid vieler Flüchtlinge hören auch an Weihnachten nicht auf. Einmütig greifen die Themen an Heiligabend auch die katholische und evangelische Kirche in Weiden auf.

(uz/fku) So zum Beispiel bei der Christvesper in St. Michael. Während Dorothee Rühl die Lesung hält, erinnern die Fürbitten an kriegerische Orte wie Syrien und die Ukraine, aber auch an Krisen durch Krankheiten wie Ebola.

Gedanken über die Menschen, die wegen solcher Katastrophen ihre Heimat verlassen mussten, macht sich auch Dekan Dr. Wenrich Slenczka. Es sei zurzeit nicht überall so, dass Fremde offen empfangen würden. Hinter dieser Ablehnung steckten Ängste von Menschen, die ihres Heilands nicht sicher seien. Christen dagegen müssten solche Ängste nicht haben. Sie könnten freundlich und offen sein. Eben weil sie in ihrem Glauben gefestigt seien. Zur Festigung trage auch das ewige Licht bei - eben jenes Licht, das den Gläubigen an Weihnachten erscheine.

Besonderer Anblick

Um Flüchtlinge geht es auch bei der Kinderchristmette an Heiligabend in der Herz-Jesu-Kirche. Sie ist wieder restlos gefüllt. Es müssen sogar Zusatzbänke aufgestellt werden. Die Mette zelebrieren Regionaldekan Gerhard Pausch und der ehemalige Stadtdekan und jetzige Ruhestandspfarrer von Herz Jesu, Andreas Uschold. Zunächst zeigt ein Krippenspiel die Herbergssuche und die Niederkunft Marias. "In die Augen von neugeborenen Kindern zu schauen, ist etwas ganz Besonderes", sagt Stadtpfarrer Pausch später in seiner Weihnachtspredigt. "Wir dürfen dem Wunder des Lebens in die Augen schauen."

Aus den Augen eines Kleinkindes leuchte ein Stück heile Welt. "Ein Neugeborenes weiß noch nichts von der Härte des Lebens. Sehnt sich nach Liebe und Geborgenheit und ist einfach da." Gott sei nicht mit dröhnenden Militärstiefeln in die Welt gekommen, sondern sei ganz klein gewesen, wehrlos auf einem Bett aus Stroh - ohne durch einen Hofstaat abgeschirmt gewesen zu sein.

Darin erkannte der Geistliche die Herausforderung für unseren Glauben. "Eine atemberaubende Botschaft: Gott freut sich über dich und mich wie ein Kind! In seinen Augen ist keiner gering oder wertlos." Und mit diesen Augen sollten wir auch unsere Mitmenschen anschauen.

"Die Geburt Jesu geschieht draußen vor den Toren Bethlehems, am Rande der damaligen Gesellschaft. Ausdrücklich erwähnt der Evangelist Lukas, dass in der Herberge kein Platz für sie war, dass die werdenden Eltern keine Aufnahme fanden." Und schon sei man mitten in der Gegenwart angelangt: Nach Europa, nach Deutschland und auch hier in unsere Stadt seien in diesem Jahr viele Menschen gekommen.

Unter ihnen auch Familien mit Kindern und auch unbegleitete minderjährige Jugendliche. "Ich sehe heute noch, mit welchen bangen Blicken die Familien aus Syrien, aus Afghanistan, aus der Ukraine und Somalia bei uns im Pfarrheim angekommen sind. Die Pfarrei Herz Jesu stellte spontan die ehemalige Hausmeisterwohnung des Pfarrheims für die Unterbringung der Flüchtlinge zur Verfügung."

In ihren Gesichtern abgezeichnet: die Erlebnisse in ihrer Heimat und auf der Flucht. In einer fremden Umgebung und einer ungewissen Zukunft. "Die warme Suppe im Foyer des Pfarrheims war die Geste: Ihr seid willkommen! Wir nehmen euch auf als Gäste im Wissen um eure leidvolle Situation." Und viele hätten spontan geholfen. Als Geld- und Kleiderspender oder als Dolmetscher.

"Leuchtendes Zeugnis"

Inmitten der vielen Diskussionen und Demonstrationen, die es heute zu diesem Thema gebe, hätten Menschen in unserer Stadt gehandelt, Herz gezeigt für Menschen in Not und für sie Partei ergriffen. "Das ist ein leuchtendes Zeugnis für praktizierten Glauben." Der Regionaldekan, der den Wohlstand in Deutschland betonte: "Dies ist zugleich der Auftrag, uns einzusetzen für die Ehrfurcht vor Gott und für Respekt und Hilfsbereitschaft für die Mitmenschen - nah und fern."
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