Glocke als Lügendetektor

Bürgermeister Alois Filzer (von links, Hans Zielbauer) und seine drei Stadträte Hiermonymus Geißlechner (Gerd Zielbauer), Florian Hirnblaser (Roland Benkner) und Gusti Flohbeisser (Irmgard Benkner) hecken aus, wie sie den neuen Diskotheken-Betreiber im Dorf am besten über den Tisch ziehen können. Bild: uz

"Bimmeln ist Silber, Schweigen ist Gold." Da muss schon einiges passiert sein, bis Stadtrat Hieronymus Geißlechner diese Erkenntnis erlangt. Er, der ja eigentlich nur mal wieder ein paar tausend Euro Gewinn machen will. Auf Kosten anderer natürlich. Eine Disco muss ins Dorf. Daran lässt sich gut verdienen.

Weiden. Aber für solche Fälle gibt's "Die Lügenglocke", eine Erfindung von Fred Bosch. Wenn die einem im Nacken sitzt, gibt's keine ruhige Minute mehr. Die Glocke destabilisiert jede noch so harte Psyche. Die "Weidner Komödiens" gingen am Freitag in die vierte Runde. Sie feierten Premiere mit ihrem jüngsten Stück. Es gelang ihnen eine Sternstunde. Ein Gag und ein Lacher jagten den anderen.

Regisseurin Gitte Frank, die selbst als Wahrsagerin Walli mitspielt, hat alle Rollen perfekt und extrem wandlungsfähig besetzt. Was natürlich zu allerhand Turbulenzen führt. Oberbürgermeister Kurt Seggewiß sprach von einem "tollen Stückl". Natürlich soll niemand aus der Geschichte Parallelen zum Weidener Stadtrat ableiten. Aber er versprach: "Auch wir wollen in Zukunft nicht mehr lügen."

Auslöser des Stücks ist die Absage der trinkfreudigen Stadträte an den Ortspfarrer Melchior Zangerl (Sandro Witt), der um Erneuerung seines Kirchturms samt kaputter Glocke bittet. Man habe kein Geld, sei arm wie eine Kirchenmaus. Kurz davor stoßen die drei Geldigen, allen voran der Bürgermeister, auf eine lukrative Investition - die Diskothek - an.

Das bringt den findigen Hilfskellner Thomas (Michael Zielbauer) auf eine Idee. Er ist gelernter Elektriker und installiert vor dem Wirtshaus einen Lautsprecher. Jedes Mal, wenn jetzt in der Bürgermeister-Kneipe gelogen und geflucht wird, läutet draußen eine Kirchenglocke. Die Dorf-Wahrsagerin Walli verkauft das Ganze als echt.

Mit der Zeit versammelt sich das ganze Dorf vor dem Wirtshaus, um gespannt zu lauschen, wie oft der Stadtrat da drinnen schwindelt. Langsam werden die Ratsherren nervös. "Ja, da wird ja der Hund in der Pfanne verrückt!" Am Ende bleiben die Gäste aus, weil sich keiner mehr das Maul aufmachen traut - es könnte ja bimmeln.

Das Stück bot eine Paraderolle für Gerd Zielbauer als "Geißlechner". Bürgermeister Filzer wird herrlich von Hans Zielbauer gespielt. Steffi Schuster ist die sächselnde Babett an seiner Seite. Erstmals dabei: Lisa Weismeier in der Rolle der Tochter Sabine. Roland Benkner spielt den pudelnass gespritzten Stadtrat Florian Hirnblaser, Irmgard Benkner die bierfreudige Stadträtin Gusti Flohbeisser. Marina Zielbauer moderierte. In den Pausen spielte Thomas Fritsch auf dem Schifferklavier. Bis zum 18. Oktober gibt es noch fünf Aufführungen in der Waldgaststätte Strehl. Karten gibt es im Vorverkauf in "Rosi's Altstadtladl".
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