Glockenspiel in Stadtgalerie

In der Stadtgalerie wird Fondara auch an das Café Dostler erinnern. Die Uhr sowie das Glockenspiel darunter (oben an der Seitenwand zur Mohrenstraße) werden im oder am Neubau der Stadtgalerie wieder angebracht. Bild: Hartl

Den Betrieb im Café Dostler hatten Hildegard und Bernd Dostler schon vor 15 Jahren eingestellt. Das folgende Schülercafé der Stadt zog 2009 aus. Nun wird gänzlich abgeräumt. Das Anwesen macht Platz für die Stadtgalerie. Und doch wird das Café Dostler den Weidenern in Erinnerung bleiben.

Auch die Familie rettete Erinnerungsstücke: Die drei Söhne von Konditormeister Bernd Dostler (74) bargen am Donnerstag das Glockenspiel, dessen "Backe, backe Kuchen ..." durch Goethe- und Mohrenstraße hallte, aber auch in der Weißenburg und Sedanstraße, bei günstigem Wind auch in der nahen Altstadt zu hören war. Auch eine große Kaffee-Röstmaschine trugen Lorenz, Bernd und Karl-Heinz Dostler aus dem Haus, bevor am 1. Mai die Abbrucharbeiten begannen. Uhr und Glockenspiel sollen in der Stadtgalerie wieder angebracht werden. Das ist sogar vertraglich vereinbart.

Schon einmal gewichen

Hildegard und Bernd Dostler hatten das Anwesen Goethestraße 3 nicht selbst erbaut, sondern 1979 "als Bestand" von der Familie Roscher erworben. Sie bauten es für ihren Betrieb um, drückten ihm etwa durch die "Lüftlmalereien" und später mit dem Glockenspiel ihre Handschrift, ihren Stempel auf, nachdem sie 1980 ihr Café vom Stadtmühlweg in die Goethestraße verlagert hatten. Nicht freiwillig: Sie musten weichen, denn der gesamte Ankerkomplex fiel.

Im Stadtmühlweg hatten sie als Existenzgründer begonnen. Bernd Dostler hatte nach zehnjähriger Auslandstätigkeit seine Hildegard aus der Schweiz mitgebracht. Hildegard Dostler war Herz und Seele des Betriebes, stets charmant und Garant für den Erfolg bei den Kunden. Bernd Dostler steuerte nicht nur legendäre Zwetschgenkuchen und Windbeutel bei: Er war über viele Jahre eine Info-Börse, wusste nahezu jede Neuigkeit in der Stadt.

Hier richtete er das erste Straßencafé in der Stadt ein, das schnell Kultstatus erreichte. Und das aus mehreren Gründen: Im damaligen Stadtmühlweg traf man sich. Das Straßencafé, in Sichtweite der damaligen Ampel vor dem Oberen Tor, diente vielen zum "Schaulauf". Auch die neuen Autos wurden hier von den stolzen Eigentümern den Bekannten bei einer Extratour "um den Block" vorgestellt.

Beim Dostler ging man auch zu ungewöhnlichen Zeiten ein und aus. Der Chef öffnete ganz nach Bedarf. Drinnen gab's nicht nur Süßes, sondern auch spätabends den "Absacker" oder frühmorgens die Weißwürste, die besonders im Fasching gefragt waren.
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