Glückwünsche im Betsaal

Für wie alt würden Sie diesen Mann schätzen? Kaum zu glauben: Dr. Wenrich Slenczka, der evangelische Dekan von Weiden, feiert am Donnerstag den Fünfzigsten. Bild: Steinbacher

Wie 50 sieht er nicht aus. Auch fast fünf Jahre im Amt des evangelischen Dekans in Weiden konnten augenscheinlich nicht bewirken, dass Dr. Wenrich Slenczka übermäßig schnell gealtert wäre. Am Donnerstag feiert er den runden Geburtstag.

Der Jubilar, in Heidelberg geboren und aufgewachsen, entstammt einer bekannten Theologenfamilie. Auch Frau Luise ist Theologin. Mit ihr hat Wenrich Slenczka vier Kinder im Alter von 10 bis 17 Jahren. Seit Ende 2009 wirkt er im Dekanat Weiden, ist damit Oberhaupt von 32 000 evangelischen Christen. Graue Haare muss er sich deshalb offenbar nicht wachsen lassen ...

Was hält Sie so jung?

Slenczka: Weiß ich nicht. Das liegt wohl in der Familie - wir sehen alle etwas jünger aus, als wir sind. Neulich bin ich angesprochen worden - als Beispiel, dass die Jugend gar nicht so schlimm sei. Da hatte ich jemandem an der Tankstelle geholfen.

Und wie alt fühlen Sie sich?

Slenczka: Wohl und gesund. Ich weiß ja nicht, wie man sich mit 50 fühlen müsste. Ich freue mich meines Lebens, meiner Familie und meines Berufes.

Seit fünf Jahren wirken Sie jetzt als Dekan in Weiden. Was schätzen Sie an der nördlichen Oberpfalz?

Slenczka: Die Menschen, die meiner Familie und mir sehr freundlich begegnen. All das Gerede von den wenig zugänglichen Oberpfälzern trifft nicht zu. Die Menschen hier sind so vielfältig wie überall. Wir fühlen uns gut aufgenommen. Außerdem schätze ich die sehr interessante Kirchengeschichte in der Region. Und ich schätze es, dass hier im ländlichen Bereich noch ein ganz anderes Verhältnis zur Kirche besteht, eine viel engere Bindung als anderswo.

Wandelt sich das nicht auch langsam?

Slenczka: Ja, in der Stadt wandelt sich das deutlich. Es wird schwieriger, junge Familien und Kinder zu erreichen. Schade, diese geringe Resonanz trotz vieler Angebote. In der Region insgesamt aber hatten wir in den vergangenen fünf Jahren keine starken Entwicklungen.

Mit Markus Schmid, dem Stadtpfarrer von St. Josef, haben Sie einen neuen Nachbarn. Haben Sie ihn schon kennengelernt?

Slenczka: Ja, er ist zu mir gekommen, das finde ich wirklich sehr nett. Wir haben uns gut unterhalten. Ich bin mir sicher, dass wir gut miteinander zusammenarbeiten werden. Schon mit Pfarrer Uschold bestand ein gutes Verhältnis. Die Pfarrei hat ein schweres Jahr, einen starken Umbruch hinter sich, jetzt aber werden wir unsere guten Beziehungen weiterführen.

Ein großes Thema ist zurzeit die Not der Asylbewerber. Nicht aber bei der evangelischen Kirche, scheint es.

Slenczka: Dieser Eindruck täuscht. So ist Pfarrer Pauckstadt-Künkler seit Jahren im Arbeitskreis Asyl engagiert. In Camp Pitman hat die Diakonie eine Stelle zur Asylberatung eingerichtet. Und in den Kirchengemeinden reden wir intensiv über das Thema. Mehr kann ich jetzt noch nicht sagen. Aber auch wir überlegen natürlich, wie wir helfen können.

Durch die Bereitstellung von Unterkünften?

Slenczka: Bisher haben wir leider keine geeigneten Räume gefunden. Das ist auch nicht so einfach. Mit den Unterkünften allein wäre es auch nicht getan, wir wollen auch Begleitung anbieten. Der Stadt Vohenstrauß haben wir Räume in Aussicht gestellt, doch die erwiesen sich als zu klein.

Haben Sie zum 50. Geburtstag spezielle Wünsche?

Slenczka: Eigentlich wollte ich ja ganz ruhig feiern. Und vor allem will ich mich nicht selber feiern. Ich mache das so: Am Nachmittag bin ich bei uns im Betsaal. Wer vorbei kommen will, darf mir gerne gratulieren. Aber es muss sich wirklich keiner dazu verpflichtet fühlen.
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