Große Wohnungen Mangelware

Die lange Wartezeit endet. Nach Rechtskraft des Bebauungsplanes im Sommer fallen die Möstel-Gebäude im Hammerweg. Vorne entsteht ein Netto-Markt, dahinter schließen sich 30 seniorengerechte Wohnungen (zur Vermietung), 18 Eigentumswohnungen sowie fünf Stadthäuser an. Stellplätze bietet unter anderem die geplante Tiefgarage. Luftbild: Michael Ascherl

Schlechte Zeiten für Familien. Mietwohnungen gibt es für sie viel zu wenig. Und ist mal eine gefunden, ist die neue Bleibe viel zu teuer. Seit Jahren werde in Weiden auch "ein Stück weit" am tatsächlichen Bedarf vorbei gebaut, stellt Günther Kamm fest.

Der Geschäftsführer der SGW Stadtbau, des mit Abstand größten Immobilienunternehmens in Weiden, wünscht allen Suchenden schon mal viel Glück: Aus dem Stand heraus kann seine Gesellschaft nämlich keine Angebote nennen. "Die Nachfrage ist weit höher als das, was wir im Bestand haben." Mindestens sechs Monate müsse eine Familie wohl warten, sich bei Vier-Zimmer-Wohnungen gar ein Jahr gedulden. "Dann ist immer noch offen, ob die Miete ins Familienbudget passt."

Ähnlich problematisch ist die Situation bei seniorengerechten, und - noch schlimmer - bei behindertengerechten Wohnungen. Zumindest hier kann sich die Stadtbau engagieren. Am Hammerweg, im rückwärtigen Bereich des Möstel-Areals, entstehen in den nächsten zwei Jahren 30 seniorengerechte Wohnungen. Diese bleiben im Bestand der SGW und werden vermietet. An Käufer richtet sich hingegen der dazu quer stehende Gebäudekomplex, mit 18, ebenfalls seniorengerechten Wohnungen. Die gesamte Anlage, die nun stärker von den Anliegern abrückt, komplettieren eine Tiefgarage und fünf Stadthäuser.

Am Markt vorbei gebaut

Investoren und Anleger, betont Kamm, konzentrierten sich in den vergangenen Jahren auf den Bau von Zwei- und Drei-Zimmer-Wohnungen - mit vermeintlich kleinem Risiko, aber inzwischen tatsächlich am Markt vorbei. Dies führt dazu, dass bereits angekündigte Vorhaben nicht mehr realisiert werden, etwa in der Leimbergerstraße.

Mit von der Stadt "hausgemachten" Problemen hatte die SGW das ganze Jahr 2014 zu kämpfen, nämlich mit einem hohen Wohnungsleerstand. Fanden traditionell sozial Schwache bei der Stadtbau eine Bleibe, so erwiesen die Stadträte "trotz aller Hinweise und Warnungen" sowohl den "Beziehern von Transferleistungen" (Hartz IV) als auch der Stadtbau einen Bärendienst: In der Weihnachtssitzung 2013 kürzte der Stadtrat die Regelsätze für die "angemessenen Unterkunftskosten" radikal. Mit der Folge, dass selbst bei den moderaten Quadratmeterpreisen der SGW der von vielen Mietern nun zu tragende Eigenanteil nicht aufgebracht werden konnte. Viele, die auszogen - und damit den Bestandsschutz verloren -, konnten sich nicht mehr bei der SGW einmieten. Dort blieben fühlbar Wohnungen leer. Massiv warb die Stadtbau um einkommensstärkere Mieter und füllte so die Leerstände.

Im modernisierten Wohnungsbestand der SGW änderte sich zwangsweise die Mieterstruktur. Für Hartz-IV-Bezieher habe die Stadtbau heute fast keine Mietwohnungen mehr.
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