Großer Einsatz für Flüchtlinge

300 Asylberwerber leben aktuell in der Stadt. Mit 500 rechnet der Oberbürgermeister. Und ihnen wollen mehr Weidener helfen als gedacht.

Das Interesse war riesig. Damit hatten die Veranstalter nicht gerechnet. Das enggeknüpfte "Netzwerk der Mitmenschlichkeit", das nun im Pfarrheim St. Josef festgezurrt wurde, dürfte halten. Viele Willige waren gekommen, um ihre Hilfe für Flüchtlinge zu koordinieren, sich ins "Netzwerk Asyl", so die offizielle Bezeichnung, einzugliedern.

Oberbürgermeister Kurt Seggewiß, der in den kommenden Monaten mit 500 Asylbewerbern in Weiden rechnet - "derzeit haben wir 300" - sprach von ersten Erfolgen. "Wir haben sehr viele Iraker integriert." An alle Bedenkenträger: Die Zeiten hätten sich geändert. Wer spreche heute noch von den Volksfestschlägereien, damals angezettelt von Jugendlichen aus den GUS-Staaten? "Das ist vorbei. Eine neue Generation ist da."

Jost Hess vom AK Asyl zeichnet für das Juristische verantwortlich. Sein Appell an die Interessenten: Helfen! Er sprach von 3712 registrierten Menschen die 2014 im Mittelmeer ertrunken seien. Bei einer noch viel höheren Dunkelziffer. "Das schnürt einem das Herz zu." Und diese Leute kämen nicht nach Europa, weil sie sich hier ein besseres Leben erhofften. Nein, ganz einfach weil sie in ihren Heimatländern Angst hätten.

Flüchtlinge haben Angst

Viele seien nur geduldet. Wie eine von ihm betreute Familie aus dem Nordirak. Opfer des Islamischen Staates, der mit Religion nichts zu tun habe. "Das sind einfach nur böse Menschen." Duldung sei nichts anderes als die Aussetzung der Abschiebung. "Wir versuchen jetzt in einem zweiten Verfahren, den Status zu ändern." Seit 30 Jahren kümmere er sich um Flüchtlinge, vor allem um die Kinder. Herkunft, Hautfarbe, Religion, Status: egal. Eines habe er in dieser Zeit feststellen müssen: "Wer als Flüchtling kommt, ist noch nicht in Sicherheit." Auf ihn warteten Asylunterkünfte, Unsicherheit, Abschiebung. "Die sehen vorne nur einen Nebel. Und zurück können sie auch nicht mehr." Warum? "Weil unsere Politiker keine Ahnung haben von der Realität. Aber reden, das können sie." Hess kenne Bewerber, die seit zwei Jahren hier sind und nicht mal angehört worden seien. "Können Sie sich vorstellen, wie dicht der Nebel vor deren Augen ist?" Die wüssten nicht, wie es weitergeht. "Die haben einfach Angst." Wichtig sei, einen humanen Weg zu finden. OB Seggewiß versprach, von politischer Seite alles nur Mögliche zu machen, um zu helfen. "Die Politik in Weiden schafft die nötigen Voraussetzungen" Dazu sagte Veit Wagner: "Die Bereitschaft seitens der Stadt war nicht immer so."

Über die Situation in der Kasernenstraße 4 berichtete Nadine Röckl-Wolfrum von der Betreuungsstelle der Diakonie. Die Vorwürfe, die Asylbewerber sollten mal einen Putzlappen in die Hand nehmen, könne sie so nicht stehen lassen. Die Verhältnisse in der Küche: fünf Herde für 50 Leute. "Keine Regale, keine Ablageflächen, keine Zwischenwände." In jedem Zimmer vier Personen, die sich vorher nicht kannten: "Probleme sind da vorprogrammiert."

Neue Klasse geplant

Manfred Wichmann, Abteilungsleiter für Asylklassen an der Europaberufsschule sagte, dass derzeit 60 Asylsuchende in drei Klassen das zweite Ausbildungsjahr besuchten. Wichtig: Sie absolvieren die Ausbildung auf Deutsch. Eine weitere Klasse sei geplant. Bayernweit würden so 3000 Jugendliche unterrichtet. Stadträtin Elena Hierold teilte mit, dass ein Film über Asylsuchende abgedreht sei. Ab März sei er in den Foren zu sehen. Eine Gruppe somalischer Flüchtlinge gründe einen Verein, wusste Wagner. Regionaldekan Gerhard Pausch schilderte die aktuelle Situation im Pfarrheim Herz Jesu. Dort lebten derzeit vier Familien.
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