Großer Patientenandrang: Längere Wartezeiten und Betten auf den Gängen - Besserung in Sicht
Klinikum arbeitet "teilweise am Anschlag"

Wenn Patienten in der Notaufnahme des Klinikums auf ihre Behandlung warten, müssen sie derzeit mitunter in Betten im Gang liegen. Bild: Wilck
Mehr als zwei Stunden habe die Angehörige in der Notaufnahme am Klinikum warten müssen, bis sie an die Reihe kam. Das Krankenbett am Gang, die Patientin allein, weil die Verwandten nicht zu ihr durften. So schildert ein Leser seine Erfahrung mit der Notaufnahme, nachdem eine Angehörige per Sanka ins Klinikum gebracht worden war. Der Mann, der anonym bleiben möchte, sagt, er habe zwar ein gewisses Verständnis. Unterm Strich sei das aber zu viel. Immerhin: Seine Verwandte kam noch am selben Tag wieder nach Hause, es war zumindest kein gravierender Notfall.

Was der Mann schildert, das dürften einige so ähnlich in den vergangenen Tagen am Klinikum erlebt haben. Tatsächlich arbeitet das Personal derzeit "teilweise am Anschlag", wie Klinik-Sprecherin Rita Stadler sagt. Im ganzen Haus. Zu Spitzenzeiten seien im Februar schon mal 625 der 626 Betten in Weiden belegt gewesen; Zahlen über 600 verzeichne man seit Anfang des Monats schon regelmäßig. Auch die anderen Häuser der Kliniken AG meldeten eine ähnlich hohe Auslastung. Und: Nicht nur in der Notaufnahme, auch anderswo müssten Patienten deshalb in Betten auf den Gängen unterkommen. Nur, auch das betont Stadler, so etwas sei in Phasen mit vielen Patienten unvermeidlich. Nicht nur in Weiden. "Das finden Sie auch anderswo." So meldet derzeit das Amberger Klinikum ebenfalls volles Haus, ähnlich wie viele weitere medizinische Einrichtungen in Bayern.

Gründe dafür gibt es laut Stadler verschiedene. Da ist zunächst die Zeit Anfang des Jahres, in der regelmäßig sehr viele Patienten kommen - wegen Influenza, winterlicher Unfälle (etwa Stürze) oder Durchfall. Montagnachmittag sei der Zugang in der Notaufnahme so groß gewesen, dass die Leitstelle für eine halbe Stunde gebeten wurde, neue Patienten, wenn es der Zustand zulässt, auf die anderen Häuser zu verteilen. Hinzu komme, dass vermehrt Patienten mit Leiden in der Notaufnahme aufschlagen, die eigentlich auch ein Hausarzt oder der ärztliche Bereitschaftsdienst behandeln könnten. Aufnahme finde zwar jeder, vorrangig würden jedoch erst einmal die gravierenden Notfälle behandelt. Der wichtigste Grund ist aber: Der Gesetzgeber hat die Kliniken auf ihre durchschnittlichen Belegungszahlen ausgelegt, nicht auf Spitzenzeiten.

Bauarbeiten laufen

Das alles, sagt Stadler, habe dann längere Wartezeiten zur Folge. Und Betten in den Gängen. Dass die Patienten dort meist ohne Angehörige warten müssen, erklärt sie mit Datenschutz. Außerdem würde zu viel Andrang dort die Hektik noch vergrößern. Ausnahmen gebe es natürlich, etwa bei Kindern. Und: Besserung sei durch die Erweiterung der Notaufnahme in Sicht. Dafür laufen die Arbeiten bereits, auch wenn sie erst 2017 abgeschlossen sein sollen. Bis dahin könnte noch etwas anderes helfen: Im März klingt der saisonale Andrang in der Regel wieder ab.
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