Großes Kino zum Abschluss

Doppelter Abschied: Zum letzten Mal überreichte der scheidende Schulleiter Rolf Anderlik (links) Kepler-Absolventen die Abiturzeugnisse. Besonderes Lob verteilte er dabei zusammen mit Vertreter Georg Singer (rechts) an die 33 Gymnasiasten mit einer Eins vor dem Komma. Bild: otj

Jetzt haben sie gerade so viel richtig gemacht und das Abi bestanden. Und dann das: Der Schulleiter prophezeit den scheidenden Kepler-Gymnasiasten, dass sie Fehler machen werden. Gleichzeitig erklärt er ihnen aber auch, warum das gar nicht so schlimm ist.

Schick hatten sie sich gemacht, die Abiturienten des Kepler-Gymnasiums. Großes Kino. Trotzdem gab es am Freitag keine Oscars, dafür die begehrten Zeugnisse. Die Jungs adrett und ganz klassisch in Anzug und Lackschuh, die Damen im Ballkleid legten in High Heels auf den wackligen Stufen zur Bühne neben dem Abitur zusätzlich die allgemeine Hochschuhreife ab. Die Musik für den großen Augenblick kam von der "Kepler Big Band".

"Lernen hört nie auf"

Den meisten Schülern des Abiturjahrgangs 2015 dürfte der Sinn im Augenblick wohl eher nicht nach Pauken stehen. Schulleiter Rolf Anderlik, selbst kurz vor dem Ruhestand, gab ihnen bei seiner letzten Verabschiedung dennoch eines mit auf den Weg: "Lernen Sie ein Leben lang. Lernen hört nie auf." Jetzt sei es an den Schülern, Verantwortung für sich und auch andere zu übernehmen - beim Studium oder auch im Beruf. Den Schonraum Schule müssten sie jetzt verlassen, nach acht bis zehn Jahren, "je nach Aufenthaltserlaubnis".

Die Absolventen würden in Zukunft Entscheidungen treffen müssen. Und die Verantwortung dafür tragen. "Dabei werden Sie Fehler machen. Das ist ganz normal. Keiner ist perfekt. Aber machen Sie eines nicht: Keine Entscheidungen zu treffen, um keine Fehler zu machen."

Kepler nicht vergessen

Die Glückwünsche des Schulleiters gingen aber nicht nur an die Abiturienten, sondern auch an eine andere ganz wichtige Spezies: Er habe mehrmals von den Schülern gehört, dass es ohne die Unterstützung der Mütter ungleich schwerer gewesen wäre. "Vielen Dank auch von unserer Seite." Die abschließenden Worte Anderliks richteten sich dann noch einmal an die, die jetzt die Schule verließen. "Vergessen Sie uns, Ihr Kepler-Gymnasium nicht."

"Jetzt ist eigentlich schon alles gesagt, nur halt nicht von allen", zitierte Elternbeiratsvorsitzende Sabine Weiß Karl Valentin. Sie wünschte viel Glück für die Zukunft und bedankte sich bei den Schülern für das Engagement in SMV, Theater, Musik und vielen anderen Bereichen. "Ihr könnt stolz auf euch sein." Den Glückwünschen schloss sich Florian Schott, der Vorsitzende des Vereins der Freunde des Kepler-Gymnasiums, an.

Ein Platz für jeden

Die vergangenen Jahre aus Schülersicht ließ Paul Ebner mit einer guten Portion Ironie Revue passieren. Die Rede war vom kollektiven Gang zum Heißgetränkeautomaten in der abgestandenen Luft der Schule mit dezentem Gefängnischarme. Ganz ernsthaft hob er vor allem die soziale Ader des Jahrgangs hervor: "Das war mehr Miteinander als Gegeneinander. Jeder hat hier seinen Platz gefunden."
Weitere Beiträge zu den Themen: Juni 2015 (7771)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.