Grüner Elefant in Judengasse

Viele Helfer um OKV-Chefin Irene Fritz (Dritte von rechts) bemühen sich, die Kunstwerke richtig zu hängen und zu arrangieren. Für die Eröffnung soll schließlich alles perfekt sein. Bild: wsb

Kunst erlebbar, vor allem besitzbar machen, das ist das erklärte Projekt des "Kunstkaufhauses". Am Freitag öffnet es.

Kunst kann erschlagen. Dieser Eindruck drängte sich am ersten Anlieferungstag im Kunstkaufhaus auf. Etwa 200 Objekte wurden hier an einem Abend und innerhalb eines Vormittags abgesetzt. Jetzt stapeln sie sich an den Wänden, stehen auf Staffeleien oder sind noch in Kartons verpackt.

Bis Dienstagabend kamen noch einmal so viele dazu. Mittendrin werkeln Hugo Braun-Meierhöfer und Bernd Seidl, die sich um eine Ordnung bemühen. Seidl katalogisiert die Werke, gemeinsam setzen sie alles in Szene. Viel Arbeit steckt in den Werken, aber auch viel Schöpfungskraft. Das strahlen sie aus. Wer sich dem Einfluss der Kunst in diesem kleinen Raum aussetzt, der wird inspiriert. Der Oberpfälzer Kunstverein hat hier ein selten erlebbares und gleichzeitig betörendes Konzentrat oberpfälzischer Kreativität versammelt.

Viel Arbeit, viel Kunst

Staffeleien werden durch die Gegend manövriert, Rahmen stapeln sich im Raum oder lehnen an der Wand. Installationen werden ausprobiert, verworfen, neu arrangiert. Dabei ist Sorgfalt angesagt: Die Werke sind schließlich Schätze. Alles soll zur Eröffnung am Freitag perfekt sein. Viele ehrenamtliche Helfer packen mit an.

Für jede Stil- und Kunstrichtung ist etwas dabei. Es gibt Naturimpressionen mit einem Minimum an Farbvariation. Verschiedene Grüntöne gestalten eine Frühlingswiese mit Bäumen; dazwischen: blau. In ocker, weiß und grau entfaltet sich die Andeutung einer verschneiten nordischen Strandlandschaft, die Fernweh weckt. Apropos wecken: Manche Bilder erinnern an Träume, voller vager oder eindeutiger Figuren, geometrisch oder schwarz-grau nebulös.

Daneben ein grüner Elefant, dann ein Wüstenbild, Porträts, wieder Landschaft, eine Katze mit rotem Schwanz, dann wieder Landschaft. Dort steht in der Ferne ein einzelner Baum. Dann taucht auch noch ein Rockstar auf.

An der Wand hängen "Sonderangebotsschilder" als Kunst, die zum Verkauf angeboten wird. Der Künstler hat die Seriendrucke unterschrieben. Man ahnt es: Sie sind billig zu haben. Weniger schräg ist die Kunst des kürzlich verstorbenen Rudolf Schieder. Seine abstrakten Werke sind vielfach ausgezeichnet und europaweit ausgestellt. Sie sind die Prunkstücke des Kunstkaufhauses: Das Bild "Wasserfall Elementargewalt" etwa soll 2000 Euro einbringen, teuerstes Gemälde ist "Der Tag X" für 2500 Euro.

Im Kunstkaufhaus ist aber für jeden Geldbeutel etwas dabei: Fürs ganz kleine Weihnachtskarten, vom Künstler signierte Seriendrucke schon für unter zehn Euro. Bei mittelformatigen Originalen sollten Interessenten aber dann schon bereit sein, einen dreistelligen Betrag zu zahlen. Wer mit Gemälden und Drucken nicht so viel anfangen kann, für den gibt es Skulpturen aus Holz oder Ton.

Nur bis 19. Dezember

Ab Freitag kann jeder in der Judengasse 8 einkaufen. Aber nur bis zum 19 Dezember. Es handelt sich bei dem Kunstkaufhaus nämlich nur um eine vorübergehende Leerstandsnutzung, betont die Vorsitzende des Oberpfälzer Kunstvereins Irene Fritz. "Es ist ein spielerisches Format. Es soll zwar die Hürde verringern, Kunst zu kaufen, jeder kann aber auch einfach entspannt vorbeischauen."
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