Gutachter sieht Schuldfähigkeit

Im Prozess um den Tod einer 38-Jährigen hat es Antworten auf die Frage gegeben, ob ihr wegen Mordes angeklagter Ehemann im Zustand der eingeschränkten oder vollkommen ausgeschlossener Schuldfähigkeit zu mehreren Messern griff und sie erstach. Beides verneinte der Psychiater Thomas Lippert.

Der 47-Jährige will einen "Blackout" gehabt haben, als er in der Nacht zum 11. Februar 2014 seine Frau in der gemeinsamen Wohnung in Schnaittenbach tötete. An alles, was davor und danach geschehen war, hatte sich der aus Weiden stammende Gelegenheitsarbeiter in seiner Vernehmung am ersten Verhandlungstag vor dem Amberger Schwurgericht relativ genau erinnert. Die Frau erlitt 53 Stiche und Schnitte, sie starb noch am Tatort an massiven inneren Blutungen.

Aus vier Gesprächen

Kurz vor dem Schluss der Beweisaufnahme, in deren Verlauf nahezu 70 Zeugen gehört worden waren, kam es nun am siebten Prozesstag zu einem herben Dämpfer für den Beschuldigten. Er hatte wiederholt betont, gleichsam im Affekt gehandelt zu haben. Über zwei Stunden lang referierte der Nürnberger Psychiater Thomas Lippert seine bei vier Gesprächen mit dem Angeklagten gewonnenen Erkenntnisse.

Dabei sagte er: "Es gibt mehrere Varianten von dem Geschehen. Wie alles genau ablief, wird man wohl nie klären können." Zum Beispiel wohl auch nicht die Frage, ob das spätere Opfer tatsächlich ein Messer unter dem Sofakissen hervorholte und damit eine drohende Haltung gegenüber dem 47-Jährigen einnahm. Der Angeklagte behauptet das nach wie vor.

Lippert berichtete, seine Untersuchungen hätten keine Hinweise auf hirnorganische Schäden erbracht. "Es gab hier Zeugen, die ihn als herrisch und bestimmend beschrieben. Andere waren gegenteiliger Meinung", ließ der Sachverständige erkennen und schrieb dem 47-Jährigen zu: "Eine Tendenz zum Lautwerden ist bei ihm vorhanden."

Die eigentliche Bluttat dürfe nicht isoliert betrachtet werden, meinte Lippert und hielt es für bedeutsam, was vorher und danach geschah. Eine Ehe in Trümmern, der Mann offenbar darum bemüht, die brüchig gewordene Beziehung zu retten. Eifersucht, Wut und "eine gewisse Grundspannung" hätten tragende Rollen gespielt. Denn die 38-Jährige habe sich zu jener Zeit einem anderen Mann zugewandt. Gleichwohl: "Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Angeklagte völlig desorientiert war." Damit kam der Psychiater zu einer Bewertung des Verbrechens. Er sprach von "eingeschränkten Fähigkeiten" allein schon wegen der Persönlichkeitsstruktur der Mannes. Doch "aufgehoben waren sie in ihrer Gesamtheit sicher nicht". Der Alkohol, fuhr Lippert fort, habe zwar eine Rolle gespielt. "Aber es war kein schwerer Rausch." Der Gutachter verneinte eine Bewusstseinsstörung und sah auch "kein verwirrtes Verhalten" bei dem Angeklagten.

Kein Fall für die Forensik

Damit stand fest: Eingeschränkte oder gar völlig ausgeschlossene Schuldfähigkeit lagen nicht vor, als der 47-Jährige seine Ehefrau tötete. Auch den Paragrafen 63 verneinte Lippert. Er sähe eine dauerhafte Unterbringung in der Forensik vor, wenn Hirnschäden diagnostiziert würden. Das konnte der Gutachter ausschließen. (Hintergrund)
Weitere Beiträge zu den Themen: April 2015 (8563)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.