Guten Morgen, Ratte

Diese Ratte hat bereits das Zeitliche gesegnet. Das gleiche Schicksal ereilte offenbar ihre vielen Artgenossen, die ihr Unwesen mehrere Tage lang im Bereich Max-Reger-/Johannisstraße getrieben haben. Geschäftsleute, Anwohner und Passanten sprechen von einer Plage. Bild: dpa

Sie wuselten zwischen Passanten herum, verirrten sich in Geschäfte, griffen kleine Hunde an. Mitten in Weiden tummelte sich eine Horde Ratten. Die Stadt blies zum Gegenangriff. Offenbar erfolgreich.

Beim Schuhgeschäft blinzelten sie nur mal kurz rein. Dass sie es nicht betraten, war nur dem geistesgegenwärtigen Zusammenspiel zwischen einem Kunden und der Filialleiterin zu verdanken: Um die ungebetenen Besucher zu verschrecken, stampfte der Mann vor der Kasse ein paar Mal mit dem Fuß auf, und die Chefin schloss schnell die Türen. Die beiden Ratten stutzten kurz. Und tippelten dann in Richtung Ringstraße davon. So geschehen kürzlich am hellichten Tag in der Max-Reger-Straße. Es war gegen 11 Uhr, als sich die haarigen Nager unter die Passanten in der Fußgängerzone mischten.

Ratten gegen Hündchen

Wär's nur dieses eine Duo gewesen, das da in den vergangenen beiden Wochen durch die Innenstadt spazierte! Stattdessen deutete alles auf eine veritable Invasion hin. Eine Plage. Ein Anlieger berichtet dem NT von "50, 60 Ratten", einer Horde also, das er in der Johannisstraße gesehen habe. Beim Gassigehen auf dem Weg neben dem Parkdeck Naabwiesen fürchtete ein Hundebesitzer um seinen kleinen Bello: "Sechs Ratten auf einmal, richtig große, graue" seien aus Richtung Stadtmühlbach auf seinen Liebling losgegangen. Der Weidener und sein Vierbeiner suchten ihr Heil in der Flucht.

Mitten auf der Straße

"Wenn die Kolleginnen in der Früh kamen, beobachteten sie schon mal vier oder fünf Ratten, die mitten auf der Straße spielten", erzählt Alexandra Renner, die Chefin des Schuhgeschäfts. Weil das Rolltor nicht ganz schließe, verirrten sich die Nager des öfteren auch ins Lager. Ein Unternehmer bemerkte kürzlich zwei tote Ratten: "Sie lagen mitten auf der Johannisstraße. Die waren richtig groß, keine Mäuse." Der Hundehalter schätzt die Größe auf "sicher 20 Zentimeter". Ratten tauchten immer wieder mal auf, meinen die Gesprächspartner: "Aber so schlimm war's noch nie."

Nach Ratten-Sichtungen in der Johannisstraße gingen im Rathaus mehrere Anrufe ein. Lebensmittelüberwacher Christian Spiegler stieß schnell auf die Quelle: den Hinterhof eines Schnellrestaurants. Nach Darstellung der Stadt hatte das Lokal zu diesem Zeitpunkt bereits einen Schädlingsbekämpfer beauftragt und einen Holzschuppen wegreißen lassen. Dort, in einer maroden Holzzwischenwand und unter dem Fundament, habe Spiegler mehrere Rattennester gefunden, teilt Ordnungsamt-Leiter Reinhold Gailer mit.

Situation unter Kontrolle

Die angrenzende Pizzeria sei ebensowenig betroffen gewesen wie öffentlicher Grund. Dennoch blies auch die Stadt zum Gegenangriff, setzte zusätzlich ihren Vertragsschädlingsbekämpfer in Marsch. Vergangene Woche legte er in der Kanalisation und - nach Rücksprache mit den jeweiligen Hausverwaltungen - auf zwei Privatgrundstücken Köder aus.

Seitdem, so berichtet Gailer weiter, sei mehrfach nachkontrolliert worden. Zuletzt am Donnerstag. Auf dem betroffenen Grundstück seien mittlerweile Betonarbeiten erfolgt. Gailer: "Die Situation sollte damit gelöst sein." Die jüngsten Erfahrungen des Hundebesitzers bestätigen das. "Seit zwei Tagen habe ich keine Ratten mehr gesehen", sagt er. Bello muss beim Gassigehen nicht mehr den Schwanz einziehen.
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