"Gutes Gefühl" auf beiden Seiten

Gerne lässt sich Erwin Filchner von Altenpflegeschülerin Marzena Koscielny den Blutdruck messen. Bild: Bühner

Für Marzena Koscielny begann im September das dritte Ausbildungsjahr als Altenpflegerin im BRK-Heim. Sie freut sich: "Nur noch 100 Tage Schule im dritten Ausbildungsjahr! Da kann ich mich schon viel um die alten Menschen kümmern."

(sbü) Einer ihrer täglichen Rundgänge führt sie zu Erwin Filchner, Jahrgang 1930. Filchner wartet schon auf "seine Marzena". Er erzählt aus seinem Leben: "Geschäftsführer beim Wöhrl bin ich gewesen." Hier in seinem Einzelzimmer im BRK-Heim fühle er sich sehr wohl. "Was glauben Sie, wie schön es am Nachmittag ist, wenn die Sonne mein Zimmer hell erleuchtet."

Heute ist Pulsmessen angesagt. Und als würde sie es schon seit vielen Jahren machen, legt Altenpflege-Schülerin Koscielny die Manschette mit einem Handgriff um den Oberarm von Erwin Filchner und beginnt mit Druckluftzufuhr und Messung. Gerne lässt der alte Herr dies geschehen. Er spürt die wohlwollende Zuneigung seiner Pflegerin. Und weil das Ergebnis "135 zu 79" lautet, sind alle sehr zufrieden.

Breite Ausbildung

Weiter geht es zum nächsten Heimbewohner. Auf dem Weg dorthin erzählt Marzena Koscielny, dass sie vor allem die Breite der Ausbildung in der Altenpflege sehr schätzt. Krankheits-und Medikamentenlehre, Diagnostik und Therapien, Psychologie und viele praktische Pflegefertigkeiten. "Dieses Wissen kann ich im Beruf und auch im Privatleben gut gebrauchen." Ganz wichtig sei für sie, "den Menschen ganzheitlich zu sehen". Dafür sei eben auch hilfreich, die Biografie des Heimbewohners zu kennen. Menschen jahrelang zu begleiten und mit ihnen zu arbeiten: "Das gibt mir ein gutes Gefühl."

Treten Probleme auf, helfe eine Mentorin. Die Tür von Heimleiter Ludwig Kreutzer stehe jederzeit offen. Das Lernen mache ihr großen Spaß. Und sie freue sich, in einem Jahr "richtig Geld zu verdienen". Aber ihre Ausbildungsvergütung von knapp 1100 Euro sei auch schon sehr gut. Obwohl es in der Ausbildung noch keine Nachtschicht gebe, "will ich freiwillig auch die Nachtschicht ausprobieren".

Besondere Herausforderung

Als Herausforderung sieht Marzena Koscielny den Umgang mit Demenzkranken an. Sie leben in ihrer eigenen Welt. In der Ausbildung werde sie aber auch darauf gut vorbereitet. "Im Team mit erfahrenen Fachkräften bekomme ich jede Unterstützung."

"Azubi" Marzena Koscielny ist 42 Jahre alt. Sie hat in Polen Abitur gemacht und ein Studium zur Laborantin begonnen. Durch Heirat sei sie 1994 nach Deutschland gekommen. Als Alleinerziehende mit einem Kind hielt sie sich die ersten Jahre mit Jobs bei Reinigungsfirmen über Wasser. Als ihr Sohn zwölf Jahre alt war, trat sie die seit langem gewünschte Ausbildung in der Altenpflege an.

Sie begann nach einem Praktikum in St. Michael als Altenpflegehelferin, wechselte dann in die Fachkraftausbildung. Sie hat die Entscheidung nicht bereut: "Jeden Tag freue ich mich auf die Bewohner."
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