Gutes Geld für gute Fachkräfte

"Eltern und Bewerber sollen überzeugt werden, dass ein Handwerksberuf eine sichere und gute Zukunft bildet". Dies wollten die Diskussionsteilnehmer beim Business Talk der Arbeitsagentur in Weiden. Daran beteiligten sich unter anderem (von links): Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz (stehend), Alexander Korsche, Juniorchef von Metallbau Korsche, Georg Bauer, Chef von Möbel-Bauer Pressath, und Charlotte Hautmann, Vorsitzende des Gewerberings Pressath. Bild: Bühner

2014 verzeichnete die nördliche Oberpfalz nur noch 600 neue Ausbildungsverträge im Handwerk, 2013 waren es noch über 700. Wer soll in wenigen Jahren noch unsere Häuser bauen oder unsere Heizung reparieren? Der Business Talk in der Arbeitsagentur beschäftigte sich mit diesem Thema.

Weiden. (sbü) Händeringend suchen vor allem die kleineren Handwerksbetriebe nach Auszubildenden. Viele haben längst resigniert und geben schon kein Stellenangebot mehr auf. Bei Bäckern und Metzgern oder im Bauhauptgewerbe fehlt der Nachwuchs schon seit Jahren. Jetzt trifft es auch zunehmend andere Bereiche wie die Metallberufe oder das Bauneben- und Ausbaugewerbe. Gibt es in Anbetracht rückläufiger Schülerzahlen überhaupt ein Rezept, um dem Nachwuchsmangel im Handwerk wirksam zu begegnen oder müssen wir das eben hinnehmen? Diese Ausgangsfrage stellte Thomas Würdinger, Leiter der Arbeitsagentur in Weiden, an den Anfang des Business Talks 2015 im Foyer der Agentur.

Gemeinsam anpacken

Mit der Veranstaltung wurde zugleich die "Woche der Ausbildung" eröffnet, in der bei zahlreichen Gelegenheiten für eine Ausbildung im Handwerk geworben wird. Viele Chefs von Handwerksbetrieben waren in die Arbeitsagentur gekommen: ein sichtbares Zeichen für die schwierige Situation. Auch der Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, Dr. Georg Haber, war anwesend, um für Ausbildungswege im Handwerk zu werben. Und alle Beteiligten waren sich in ihren Stellungnahmen einig: Keiner kann das Problem alleine lösen, nur gemeinsame Anstrengungen und viele Einzelmaßnahmen helfen weiter.

Einigkeit bestand vor allem darin, dass die Attraktivität von Handwerksberufen stärker ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt werden muss. Weil Eltern eine wichtige Rolle bei der Berufswahl ihrer Kinder spielen, sollten auch sie mit Argumenten überzeugt werden. Georg Bauer, Chef der Schreinerei Möbel-Bauer aus Pressath, sagte in der Podiumsdiskussion dazu: "Es gibt keinen Beruf mit besseren Zukunftschancen als in fast allen Handwerksberufen." Gute Fachkräfte würden im Handwerk hervorragend bezahlt. Deshalb gelte auch der Satz: "Ein guter Handwerker wird immer mehr verdienen als ein schlechter Akademiker."

Schreinermeister Bauer lieferte damit das Stichwort für den Handwerkskammerpräsidenten. Dr. Haber sagte: "Wir haben einen enormen Akademisierungswahn. Im Jahre 2013 gab es in Deutschland erstmals mehr Studienanfänger als neue Auszubildende." Er appellierte in diesem Zusammenhang auch an Politik und Gesellschaft mit den Worten: "Wir Handwerker sind als Gruppe doch systemrelevant."

Diesem Appell schlossen sich in der Veranstaltung zahlreiche Maßnahmevorschläge an. "Holt die Schulen ins Haus", empfahl Alexander Korsche, Chef des gleichnamigen Weidener Metallbaubetriebs. Korsche betonte zudem: "Familienbetriebe stellen nicht aus, wenn schwierigere Zeiten kommen." Schreinermeister Bauer will Quereinsteigern bis hin zu arbeitsuchenden Lehramtsbewerbern eine Chance geben. "Wer willig ist, wird eingestellt, unabhängig von der Hautfarbe", erklärte er zudem. Ein Handwerk könne auch "privat nützlich sein".

Bessere Selbstdarstellung

Dass sich Handwerker besser darstellen und moderner werden sollten, schlug Charlotte Hautmann, Vorsitzende des Gewerberings Pressath, vor. Weitere Vorschläge betrafen "mehr Berufsorientierung über Handwerksberufe und deren Aufstiegsmöglichkeiten an Realschulen und Gymnasien" sowie die "Ausbildung junger Asylbewerber".
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