Gutes Geld für gute Graffiti
Leute

Michael Gmeiner ist Street-Art-Künstler. Und das hat nichts mit illegalen Wandschmierereien zu tun, betont der Weidener. Bild: Götz
Weiden. (mte) Viele haben sich ihr Bild längst gemacht, klagt Michael Gmeiner . Graffiti-Künstler sind Schmierfinken, meinen sie. Sie irren. Mit Street-Art kann man Millionen verdienen. Der britische Künstler Banksy macht es vor. Und auch der Weidener Michael Gmeiner kann gut davon leben.

2011 gründete der Sohn von Dr. Karl Gmeiner mit zwei anderen Writern - "graphism" - eine Firma für Design und Gegenwartskunst in München. "Ich habe damit meine Berufung zum Beruf gemacht", sagt der 36-Jährige. Nach dem Abitur am Kepler-Gymnasium war das noch nicht abzusehen. Gmeiner begann in München Diplom-Sportwissenschaften zu studieren. Dabei spezialisierte er sich auf Rehabilitation. "In dem Bereich habe ich dann auch gearbeitet. Zuletzt war ich sogar für die AOK tätig." Die urbane Kunst aber ließ Gmeiner nie los. Diverse Ausstellungen seiner Street-Art auf Leinwand - auch in Weiden - zeugten davon. Schließlich fand sich "graphism" zusammen.

Die Arbeit der Firma kommt an. Deren Kunst aus der Dose ziert Fassaden und Räume, wird von Unternehmen geschätzt. Die Autobauer Audi und Volkswagen oder der Telefonriese O2 zählen etwa zu den Kunden. Zuletzt gestaltete Gmeiner die Wände eines Neubauprojekts einer Wohnbaugesellschaft an der Theresienwiese. Demnächst geht es nach Italien: Ein solventer Unternehmer wünscht urbane Kunst à la Gmeiner & Co. im Spa-Bereich. "Es läuft", bestätigt der 36-Jährige.

Doch es gab auch andere Zeiten. Damals, als Street-Art sich noch Graffiti schimpfte, geriet der junge Michael Gmeiner ins Visier der Polizei. Der Weidener soll Züge beschmiert haben, Polizisten beschlagnahmten eines nachts daheim Dosen, Skizzen und Notizen. Heute lacht der Künstler über die Verdächtigungen - und gibt Workshops für Unternehmen, Privatleute - und Jugendliche, wie zuletzt am Montag für die Elftklässler der Weidener FOS/BOS (Seite 26) . "Die Leute machen hier tolle Erfahrungen. Sie machen und sehen sofort das Ergebnis."

Gemacht hat Gmeiner zuletzt übrigens Großes: Am ehemaligen Münchener Schlachthofgelände beteiligte er sich Mitte Mai am "Live-Painting": An einem Wochenende schufen Sprayer auf 1500 Quadratmetern weißer Wand Kunst im öffentlichen Raum. Gmeiner und seine Künstlerkollegen räumten auf 150 Metern Länge, 15 Metern Höhe - unterteilt in 10 Segmente - einem blauen Stier Platz ein.

Der blaue Stier also scheint das blaue Pferd des Street-Art-Künstlers zu sein? "Ich mag auch klassische Kunst", verrät Gmeiner. Das erklärt dann auch die Wandgestaltung in seiner Privatwohnung in Münchens Glockenbachviertel: Neben einer Graffiti-Leinwand hängt doch tatsächlich ein Druck von Franz Marc.
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