Halbgott in Schwarz
Angemerkt

Unsympathische Angeklagte wünscht man Berufungsrichter Georg Grüner an den Hals. Damit er sie mal so richtig zusammenfaltet. Diese Woche erwischte es die Falsche. Der Landgerichtsvizepräsident nahm eine syrische Hausfrau in die Mangel. Vier Stunden. Ohne Verteidiger.

Die Frau und ihre drei erwachsenen Kinder hatten falsche Pässe vorgelegt. Grüner sah darin "kriminelles Tun". Und schon gar keinen Ausnahmecharakter, der eine bloße Verwarnung rechtfertige. Er mag seine Argumente haben (das Amtsgericht sah das in erster Instanz komplett anders). "Gesetz ist Gesetz", sagt Grüner.

Aber auf welche Weise man Recht spricht, das liegt in der Hand des Richters. Die Familie stammt aus der "Hölle von Jarmuk". Der Vorort von Damakus war erst vom Assad-Regime platt gemacht, dann von blutgierigen IS-Milizen gestürmt worden. Jarmuk war in allen Nachrichten. In Grüners nicht: "Aber wenn Sie's sagen ..." Die Familie verlor ihre bürgerliche Existenz. Kommentar Grüner: "Sie waren doch schon Hausfrau." Dass die Familie die letzte Etappe im "klimatisierten Großraumfahrzeug" zurücklegte, hob er besonders hervor: "Das ist nicht der Fall eines klassischen Flüchtlings, der barfuß in einem Lager ankommt."

Die Tochter arbeitet bereits wieder als Architektin, der Sohn hat einen Studienplatz in Berlin. Bilderbuchflüchtlinge, seit drei Wochen anerkannt. Sie werden deutsche Sozialsysteme nicht lange belasten. Die Angeklagte hat Raketen, Panzer, Krieg und Flucht überstanden. Und jetzt eine Berufungsverhandlung in Weiden. An ihrem 51. Geburtstag. Aber das hat auch keiner gemerkt.



Kurz notiert Robin aus Isolierstation

Weiden. (prg) Nach seiner Knochenmarktransplantation ist Robin weiter auf einem guten Weg. Der an Leukämie erkrankte Junge verließ am Dienstag laut seiner Familie die Isolierstation und konnte erstmals seit Wochen sogar wieder kurz ins Freie. Auch seine Werte bessern sich demnach weiter von Tag zu Tag - die Laune ist eh gut: Er macht Späße mit Pflegepersonal und Ärzten.

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