Handschlag mit Königin Silvia

"Nur Königin Silvia und ich trugen Pastell", erinnert sich Marianne Succhi an den historischen Empfang in den 80er Jahren. Anlass war der erste Pan-Am-Flug Berlin-Stockholm. Repros: Hartl (2)
Lokales
Weiden in der Oberpfalz
07.02.2015
107
0

Silvia Sommerlath hatte sich damals als Stewardess beworben. Doch dann kam König Carl Gustaf und heiratete sie. Silvia wurde Königin von Schweden. "Sonst hätte mein Mann sie für Pan Am eingestellt", erzählt Marianne Succhi, die auch den Schah von Persien kennengelernt hat.

Weiden. (ps) Später - in den 80er Jahren - ist Marianne Succhi der aus Deutschland stammenden Königlichen Hoheit persönlich begegnet. "Nach dem ersten Flug von Pan Am von Berlin nach Stockholm." Bei dem hochrangigen Empfang waren fast alle Teilnehmer schwarz gekleidet. "Nur die Königin und ich trugen Pastell", erinnert sich die gebürtige Weidenerin. Königin Silvia hat Julius Succhi bei diesem Treffen gefragt, ob er sich noch an das Bewerbungsgespräch erinnere. "Er hat gesagt: Eure Majestät, wie könnte ich das vergessen?"

Die schönste Zeit: Nairobi

Natürlich auf Englisch. Denn Julius Succhi - er ist 2003 gestorben - war Wahl-Amerikaner und bekleidete damals einen hohen Posten bei der Pan Am (Pan American World Airways). Als Marianne ihn kennenlernte, war er noch Purser (Chef der Kabinencrew) bei der Fluggesellschaft - ebenso wie sie. Die heute 82-Jährige, die seit 2004 wieder in Weiden lebt, führte ein spannendes Leben, das sie nicht nur in ihr Traumland USA, sondern auch in den Iran und nach Afrika führte. Begeistert erinnert sie sich an Nairobi: "Das waren ohne Zweifel die sieben schönsten Jahres unseres Lebens."

Wie es dazu kam? Schon als junges Mädchen wollte Marianne Binner, Tochter eines städtischen Beamten und einer Kontoristin, nach Amerika. Doch so einfach war das nicht. Also ging sie erst als Au-pair nach London, kam dann mit Hilfe der kanadischen Diplomatenfamilie, für die sie arbeitete, nach Kanada und schließlich in die USA. Mit 24 Jahren erhielt sie die Anstellung als Stewardess bei Pan Am. "Wow. Ich war überglücklich. Die ganze Welt stand mir offen."

Schon beim ersten Flug lernte sie ihren zukünftigen Mann kennen. Der machte bei Pan Am schnell Karriere und wurde mit dem Management in Iran und Afghanistan betraut. "Bei meinem ersten Besuch in Teheran hat er mir einen Heiratsantrag gemacht", erzählt Marianne Succhi. Drei Jahre lebte das Paar dort, war auch beim damaligen Schah und seiner Frau Farah Diba eingeladen. "Sie war noch sehr jung und sehr, sehr schüchtern." Der Schah sei ein sehr höflicher und interessierter Mann gewesen. "Er hatte am Hof am wenigsten zu sagen", meint die 82-Jährige. "Das Wort führten die Mutter und seine Zwillingsschwester, die waren hart wie Eisen."

1961, als die Berliner Mauer gebaut wurde, bekam Julius Succhi das Angebot, für Pan Am dorthin zu gehen. Die Lufthansa durfte nicht mehr in die geteilte Stadt. Nur noch Fluggesellschaften der Siegermächte. Während Julius Succhi das Pan-Am-Netz ausbaute, engagierte sich seine Frau in der Wohlfahrt, half mit, ein Waisenhaus für Kinder und eine Tagesstätte für Behinderte aufzubauen. Dieses Engagement trug ihr sogar das Bundesverdienstkreuz ein. "Wir sind betteln gegangen für diese Menschen. Ich habe Zoo- und Zirkusbesuche organisiert oder auch einen Grillabend, bei dem US-Soldaten für 200 Leute gegrillt haben."

Ein Vizepräsident der Fluggesellschaft stellte bei seinem Besuch in Berlin fest: "Hier läuft alles wunderbar. Wie wäre es mit Afrika?" Julius Succhi wurde Generaldirektor für Ostafrika und die Inseln im Indischen Ozean. Das Ehepaar zog nach Nairobi, bereiste mit einem 4-Sitzer samt Piloten das Zuständigkeitsgebiet. Die 82-Jährige schwelgt in Erinnerungen: "Unser Haus war ein Traum. Wir hatten sieben Angestellte. Alle Menschen in Afrika waren freundlich. Ich habe dort nie schlechte Erfahrungen gemacht." Nicht einmal beim Staatsstreich 1982, versichert sie. "Damals hat die Armee das Kommando übernommen. Aber wir wurden bewacht. Uns ist nichts passiert."

Auch in Kenia war Marianne Succhi caritativ tätig, engagierte sich unter anderem für ein Waisenhaus. Tatkräftige Unterstützung erhielt sie durch ihre Mutter, die während eines Aufenthalts in Nairobi nicht nur selbst 60 Wolldecken für die Kinder häkelte und strickte, sondern zurück in Weiden auch ihre Freundinnen dafür einspannte. "Der Schlafraum hat mit den bunten Decken dann ausgesehen wie ein Blumenfeld." Auf Nairobi folgte Miami. Von dort aus betreute Julius Succhi - er sprach 12 Sprachen, sein Vater war Österreicher, die Mutter Italienerin - auch die Karibik und Südamerika. Doch in Florida hielt es das Ehepaar nicht lange. "Wir sollten zurück nach Berlin." Ein Auftrag, der den Eheleuten sehr recht war. In der geteilten Stadt erlebten sie am 9. November 1989 die historische Stunde mit. "Auf einem Ball im Eisenbahnmuseum trat ein Mann ans Rednerpult und sagte: jetzt ist das passiert, worauf wir 28 Jahre gewartet haben. Die Mauer ist offen."

Maueröffnung live erlebt

Die Damen trugen lange Kleider und Sandalen. Es hat geschneit. "Aber wir wollten unbedingt zum Checkpoint Charlie. Wir haben dort miterlebt wie die ersten Menschen aus dem Osten rüberkamen. Taxifahrer fuhren sie umsonst. Die Cafés haben zu Essen und zu Trinken spendiert. Ganz Berlin hat sich geöffnet."

Die Lufthansa kehrte wenig später nach Berlin zurück. "Lockerbie hat Pan Am dann den Todesstoß gegeben", erinnert Marianne Succhi an das Attentat von 1988. Bis 1992 war sie mit ihrem Mann noch in Berlin. Dann übernahmen sie mehrere Jahre die Pflege ihrer kranken Mütter. 2001 schließlich - auf einer Chinareise - wurde bei Julius Succhi ein Hirntumor diagnostiziert. "Mein Mann starb im Dezember 2003, mein Bruder im Juni 2004. Da habe ich mich entschlossen, ich gehe nach Hause zurück - und zu Hause ist Weiden, wo es viele Menschen gibt, die sich um mich gekümmert haben." Und Marianne Succhi kümmert sich wieder um andere. Unter anderem um alte Menschen in Seniorenheimen, die keinen Besuch bekommen.
Weitere Beiträge zu den Themen: US-Soldaten (710)Februar 2015 (7876)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.