Handwerk hat goldene Zukunft

Zu einem Werbefeldzug für die Ausbildung im Handwerk entwickelte sich der Besuch bei den Handwerksbetrieben von Richard Rank. Dr. Georg Haber, Präsident der Handwerkskammer Niederbayern-Oberpfalz, und MdB Albert Rupprecht erlebten das Familienunternehmen außerdem als erfolgreichen Ausbildungsbetrieb.

Weiden. (sbü) Die Handwerksbetriebe der Richard Rank GmbH & Co KG beschäftigen derzeit 92 Mitarbeiter, darunter neun Auszubildende in sechs handwerklichen Ausbildungsberufen. Noch liegt die Ausbildungsquote bei 10 Prozent. Dennoch sagt Firmenchef Richard Rank: "Das Nachwuchsproblem brennt unter den Nägeln." Er befürchtet, wenn sich der Fachkräftemangel weiter fortsetzt "steigt das Lohnniveau so weit, dass man sich Handwerker nicht mehr leisten kann".

Zu viel Geld für Unis

Nach Ansicht von Rank fließen auch "zu viele Bildungsgelder an die Hochschulen" und er meint, "dass höhere Preise für handwerkliche Leistungen auch bei den Mitarbeitern ankommen sollten". Bei Handwerkskammerpräsident Dr. Georg Haber stieß der Unternehmer damit auf volle Zustimmung. "Eine Studienanfängerquote von 57 Prozent eines Jahrgangs bringt die Gesellschaft ins Ungleichgewicht", sagte Dr. Haber. Auch er erwartet, "dass sich für Handwerksleistungen am Markt höhere Preise durchsetzen werden". Um die Attraktivität einer Ausbildung im Handwerk unter Beweis zu stellen, saßen zwei Auszubildende der Firma Rank mit am Besuchertisch: Lukas Kesselheim erlernt derzeit den Beruf Dachdecker, Michael Weig befindet sich in der Ausbildung zum Maurer. Beide berichteten über ihren interessanten Ausbildungsalltag und die Vorteile der Blockbeschulung. "Ich bereue nichts", sagte Kesselheim und zeigte sich ebenso wie Michael Weig außerordentlich zufrieden mit Berufswahl und Ausbildungsbetrieb. Die Firma Rank bezeichnete er als große Familie. Und Kesselheim hat mit der Meisterprüfung und eventuell späterer Selbstständigkeit auch schon weitreichende Zukunftspläne. Was getan werden müsse, damit noch mehr Schüler einen Handwerksberuf erlernen, wurden die beiden gefragt. "Vor allem sollte in den Schulen mehr für Handwerksberufe geworben werden", lautete die Antwort.

Bundestagsabgeordneter Albert Rupprecht hielt ebenfalls eine Verstärkung der Berufsorientierung für erforderlich. Als positives Beispiel nannte er die Schweiz, wo das Ungleichgewicht zwischen akademischer und handwerklicher Ausbildung weniger ausgeprägt sei. Einig war sich die Gesprächsrunde, dass Handwerker mehr Selbstbewusstsein zeigen sollten. "Authentisch sein und als Handwerker auftreten", schlug Kurt Negele, Bereichsleiter bei der HWK, deshalb vor.

Asylbewerber sind gefragt

Eltern von Bewerbern würden leider noch zu oft glauben, "dass es ihre Kinder einmal besser haben, wenn sie studieren". "Wir sind auf Zuzug angewiesen", stellte Dr. Haber anschließend fest. Die Ausbildung junger Flüchtlinge "sei zwar kein Allheilmittel" sollte aber verstärkt werden. Er berichtete von einer Umfrage der Handwerkskammer unter 9000 Betrieben. "Nach sechs Wochen hatten wir 900 Praktikumsstellen für Asylbewerber gemeldet bekommen."
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