Harmonisch und unverwechselbar: Kantorei gestaltet Brahms' Requiem in Michaelskirche
Die Tongewalt von Trauer und Trost

Mit großer Instrumentierung und mächtigem Chor dirigierte Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser in St. Michael "Ein deutsches Requiem" von Johannes Brahms. Instrumentalisten und Kantorei Weiden harmonisierten und bezauberten mit unverwechselbarem Klang.

Ein Schlüsselwerk

Seit seiner ersten Teilaufführung 1867 in Wien und seiner ersten vollständigen Aufführung 1868 im Leipziger Gewandhaus zählt das Requiem zu den Schlüsselwerken der Oratoriengeschichte. In der heute vorliegenden siebensätzigen Fassung lässt sich eine auffällige Symmetrie beobachten, deren Wendepunkt der vierte Satz darstellt.

Von Beginn an überzeugte das Werk mit seiner ungewöhnlichen musikalischen Dichte. Als Textidee hatte Brahms Kernsprüche aus dem Alten und Neuen Testament in Luthers Übersetzung so zusammengestellt, dass sich die Leitgedanken "Trauer" und "Trost" sinnfällig aufeinander bezogen. Im Gegensatz zu vielen anderen Oratorien stellte Brahms den Chor, und damit die Stimme der Gemeinschaft, ins Zentrum seiner überkonfessionellen Totenfeier. Beim zweiten Satz - "Denn alles Fleisch, es ist wie Gras" - trieb Kaiser die Mitwirkenden zu ungeheuren Lauten an, die er dann sofort wieder auflöste und in ihrer Kraft zurücknahm.

Ausbrechende Freude

Dies wiederum kam Bariton Thomas Gropper zugute, der durch dieses Pianissiomo textverständlich herüberkam. Die Sätze zwei bis sechs standen für überstandenes Leid und die ausbrechende Freude. Den Rahmen bildeten die musikalisch eng verknüpften Sätze der Seligpreisung. Dank der wunderbaren Stabführung des Konzertleiters gewann das Requiem eine prägnante musikalische wie intellektuelle Ausgewogenheit.

Von der Seligpreisung der Leidenden führte der Weg über unterschiedlichste Betrachtungsweisen zur Verheißung der Auferstehung und zur Seligpreisung. Brahms hatte das Werk für einen Chor mit über 200 Sängern konzipiert. Die meisten Aufführungen - auch die in der Michaelskirche - wurden aber mit viel weniger Sängern realisiert. Die Bearbeitung mit den Instrumentalisten der Kantorei Weiden entschärfte aber dieses Untergewicht. Das Konzert behielt seinen orchestralen Klang.
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