Haubitzen in die Wäsche

Genau nachgemessen. Projektleiter Gerhard Schustek (rechts) vom Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach mit Kurteshi Sinan, Vorarbeiter der Firma Scharnagl, auf der Brücke zwischen Schlammbecken (im Hintergrund) und Brauchwasserbecken. Weiter im Hintergrund ragen die "Arme" des aufgerüsteten Spritzstandes empor, der für die Großfahrzeuge reserviert ist. Bild: Steinbacher

Im November werfen die Weidener Artilleristen ihre "Waschmaschine" an. Und die ist ebenso riesig wie alt. Sie steht draußen am Brandweiher. Damit sie beim Vollwaschgang auch jede Fuge die Panzer-Haubitzen blitzeblank putzen kann, wird nun die Panzerwaschanlage saniert.

Die Natur war längst dabei, das über 6000 Quadratmeter große Areal zurückzuerobern. Birken und Büsche machten sich breit, denn seit 1992 ließ die Bundeswehr die Anlage an der Zufahrt zum Standortübungsplatz links liegen. Für den Betrieb der Heeresunteroffizierschule, die nur über leichtes Gerät verfügte, war die Panzerwaschanlage ohne Belang. Erst 1982 gebaut, fuhren 1992 die letzten Fahrzeuge an den Waschplätzen vor. Seitdem blieb das Areal sich selbst überlassen.

Und doch, die Substanz ist "überraschend gut", betont Diplom-Ingenieur Gerhard Schustek, Bereichsleiter Ingenieurbau beim Staatlichen Bauamt Amberg-Sulzbach. Dennoch muss der Bund 1,7 Millionen Euro in die Sanierung und Ertüchtigung investieren. "Ein Neubau kostet mehr als das Doppelte. Wir haben beide Varianten gerechnet. Bei einem Neubau hätten wir frühestens 2019 die Hähne öffnen können. Die Bundeswehr braucht die Anlage aber schon jetzt." Stark verschmutzte Fahrzeuge, so erklärt Schustek, dürfen nicht auf öffentliche Straßen. Bisher behalfen sich die Artilleristen mit einem "Waschgang" nach Grafenwöhr

Mit Ausnahme der nötigen Einfriedung hat das Bauamt alle Arbeiten ausgeschrieben und vergeben. Die Aufträge blieben in der Region. Bis auf die aufwendigen Pump- und Spritzstandtechnik plante das Bauamt selbst alle Maßnahmen.

Die beiden großen Becken - hier hatten sich in den 20 Jahren "Ruhe" aus dem nahen FFH-Gebiet auch Kleinlebewesen angesiedelt - sind instandgesetzt und vom TÜV abgenommen. Betriebsfertig ist der ellenlange, höchst stabile Rammbalken, an den die Kettenfahrzeuge andocken, wenn sie zur Feinwäsche anstehen. Übrigens zehn Fahrzeuge können zeitgleich in die Duschen.

Völlig neu entstehen der Innenreinigungsplatz, ein Schlammtrockenbeet sowie die komplette Einfriedung einschließlich dreier Toranlagen. Natürlich erhält die Panzerwaschanlage, deren Wasser "im unendlichen Kreislauf" immer wieder aufbereitet und eingesetzt wird, eine komplett neue Betriebstechnik bis hin zur neuen Trafostation. Die Fertigstellung ist für November geplant. "Wir sind gut im Plan. Jetzt muss nur noch die Pumpentechnik rechtzeitig kommen", meint Gerhard Schustek. Übrigens: Die Panzerwaschanlage hat im Spritzstand nur einen Waschgang.
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