Hauen und Stechen vor Gericht

Bienenfleißig werden Beweise gesammelt. Der ehemalige Vorsitzende beschuldigt den Bienenzuchtverein, ihm noch Geld zu schulden. Im Gegenzug macht auch der Verein Forderungen geltend.

Weiden. (rns) Wie weit geht das Ehrenamt? Wie viel kann man unentgeltlich von einem Vorsitzenden verlangen? Obwohl Richter Josef Hartwig nochmals eindringlich zu einem Vergleich riet ("Beide Parteien verzichten gegenseitig auf noch offene Forderungen"), konnten sich Kläger und Beklagter in der Zivilverhandlung am Dienstag nicht dazu durchringen. Daraufhin erhob Hartwig eine umfangreiche Beweisaufnahme. Der frühere Vorsitzende des Bienenzuchtvereins will weiteres Honorar für "architektentypische" Leistungen und anderes. Knapp 2500 Euro stellte der 61-Jährige nach seinem Rücktritt im Januar 2014 dem Verein in Rechnung: für Vorträge, für gestellte Zuschussanträge auf Varroabekämpfung, für die Zusammenstellung von Lehrgangsunterlagen und die Beantragung eines Kanalanschlusses für das Bienenheim.

Alexander Ederle, der jetzige Vorsitzende, konterte über Rechtsanwältin Elisabeth Merk mit einer Widerklage. Bereits vereinnahmte Vorschüsse - zum Stundensatz von 75 Euro plus Mehrwertsteuer - soll der Kläger zurückzahlen. Ebenso zu Unrecht erhaltene Fahrkostenerstattungen, die er mehrfach geltend gemacht hatte, und den noch ausstehenden Jahresbeitrag. Außerdem soll er diverse Unterlagen, die dem Verein gehören, herausgeben.

Vernommen wurde der Bauunternehmer aus Mantel, der schließlich den Auftrag für den Kanal bekommen hatte. Ihm sei erst klar geworden, dass sein Auftraggeber nicht nur Vereinsvorsitzender, sondern auch Architekt war, als er sein Angebot in dessen Briefkasten warf, sagte er. Der Schriftführer der Bayerischen Imkervereinigung berichtete, dass nur für Fachwarte Referentenhonorare vorgesehen gewesen seien. Ein solcher sei der Weidener nicht. Dem ehemaligen Kassier war "in 30 Jahren nicht bekannt geworden", dass Referenten Honorare erhalten hätten. Eine Rechnung des Vorsitzenden über sein Architektenhonorar habe er ungeprüft überwiesen.

Rechtsanwalt Bernhard Schlicht wies darauf hin, dass die Kasse im Frühjahr darauf geprüft worden sei und dem Kassier Entlastung erteilt worden sei. Pikant allerdings: Eine der beiden Kassenrevisoren war die Mutter des Vorsitzenden. Lediglich einem Zeugen war "immer klar, dass wir einen Architekten für den Kanalanschluss brauchen". Der damalige zweite Vorsitzende bestätigte aber auch, dass über eine Aufwandsentschädigung nie gesprochen worden sei. Die Protokollführerin des Bienenzuchtvereins sagte aus, der Vorsitzende sei "nie als Architekt aufgetreten". Ein Schreiben, in dem er angekündigt hatte, er werde 75 Euro pro Stunde in Rechnung stellen, und gebeten habe, dies einem Protokoll anzuheften, habe sie ihm zurück gegeben. "Weil darüber nicht gesprochen worden ist."

Am Ende der Beweisaufnahme stellte Richter Hartwig fest, dass "nicht viel rausgekommen ist, das die Position des Klägers (des Ex-Vorsitzenden) stärkt". Er verkündet seine Entscheidung am 13. Oktober.
Weitere Beiträge zu den Themen: September 2015 (7742)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.